Sonntag, 22. Oktober 2017


Waris Dirie





Waris Dirie, 1965 als Nomadin geboren, war Mannequin und Fotomodell, heute ist sie als Schriftstellerin und UN-Sonderbotschafterin tätig.

Waris Dirie wuchs in einer Nomadenfamilie in der somalischen Wüste auf und half ihrer Familie als Ziegenhirtin. Im Alter von fünf Jahren erlitt sie die Qualen der Beschneidung, ein blutiges Ritual, an dessen Folgen ihre Schwester und zwei Cousinen gestorben sind. Im Alter von dreizehn Jahren sollte Waris zum Gegenwert von fünf Kamelen an einen alten Mann verkauft werden. Was folgte, war eine spektakuläre Flucht zu Verwandten nach Mogadishu. Kurze Zeit später verließ sie Somalia und floh nach London, wo sie als Haushaltshilfe des somalischen Botschafters vorübergehend Arbeit und Unterkunft fand, sie war erst 14 Jahre jung.

Waris Dirie
In den folgenden Jahren lernte Waris Dirie selbsttätig lesen und schreiben, kämpfte mit Hilfe von Scheinehen um ihren Verbleib in Europa. Mit 18 wurde sie in London als Model für Leviís und Revlon entdeckt. Ihre Karriere in der Mode- und Werbebranche brachte Waris Dirie schließlich als erstes schwarzes Model auf die Titelseite der Vogue. Lange hütete sie ihr Geheimnis, was ihr in jungen Jahren geschehen war, aus Scham und Sprachlosigkeit. Doch nach und nach reifte in Waris Dirie der Entschluss, ihre Leiden der Öffentlichkeit nicht mehr länger vorzuenthalten.

Waris Dirie schrieb ihr Aufsehen erregendes erstes Buch Wüstenblume, das zu einem riesigen Bestseller in 21 Ländern wurde und auch in Deutschland über 100 Wochen auf der Bestsellerliste stand. Mit dem Buch macht sie auf ihr Schicksal aufmerksam, das schätzungsweise 150 Millionen beschnittene Frauen in Afrika erleiden müssen.

Ihre Berühmtheit nutzt Waris Dirie, um gegen das Ritual der genitalen Verstümmelung weltweit zu kämpfen und ist heute Sonderbotschafterin der UNO. Die Menschen und vor allem die Frauen in Somalia glauben, dass der Koran die Verstümmelung verlange. Niemand spricht offen darüber. Dagegen arbeitet Waris Dirie an. Mit ihrer Stiftung Desert Dawn setzt sie sich auch für Schulen und Krankenhäuser ein. Die Menschen hören ihr zu, weil sie Teil ihrer Kultur ist und nicht mit der Entrüstung eines Westlers, sondern mit Achtung und Liebe für das Land und die Menschen nach Somalia kommt.

Fast 20 Jahre nach ihrer Flucht fasst Waris Dirie den Entschluss, ausgelöst durch eine persönliche Krise, nach Somalia zurückzukehren, um sich selbst, ihre Familie, ihr Volk und ihr Land neu zu entdecken. Das Wiedersehen ist bewegend. Sie wird mit offenen Armen aufgenommen und genießt den so lange vermissten Familienzusammenhalt und das Gefühl der Geborgenheit. Doch sie spürt, dass sie wohl nie mehr in Somalia leben kann und sich den traditionellen Rollenvorstellungen unterzuordnen, wie es von ihr erwartet wird.

Waris Dirie leidet darunter, dass die Amerikaner ihr gebeuteltes Land vor aller Welt nur als Brutstätte des Terrors anprangern und mit der Bombardierung drohen. Sie kämpft darum, dass Somalia wieder ins Bewusstsein der Welt rückt, und zwar auch mit seinen positiven Seiten. Die will sie in ihrem Buch Nomadentochter zeigen.

Nach 1998 und 2001 erschien 2005 ihr drittes Buch Schmerzenskinder. Alle Titel wurden internationale Bestseller. Brief an meine Mutter ist ihr bislang persönlichstes Buch.

1999 erhält Waris Dirie den Deutschen Afrika-Preis, weitere deutsche wie auch internationale Auszeichnungen folgen. Im Jahr 2002 gründet sie die Waris Dirie Foundation, die gegen die Folter der rituellen Beschneidung in aller Welt kämpft.
Waris Dirie: Eine Nomadin, die zu den begehrtesten Models der Welt gehört, ist zur Anwältin schweigender Opfer geworden.

Ihr außergewöhnliches Leben wurde verfilmt.



 
   

   
  
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