Sonntag, 22. Oktober 2017


Abdulrazak Gurnah





Novelist Abdulrazak Gurnah wurde 1948, unweit der Küste von Ostafrika, auf der Insel Sansibar (Tansania) geboren, damals britische Kronkolonie. Nach der Unabhängigkeit und der gewalttätigen Revolution auf Sansibar floh er 1964 ins Exil nach Großbritanien und unterrichtet jetzt Literatur an der Universität von Kent in Canterbury und verfasst Romane und Sachbücher. Er ist Mitherausgeber des Journals Wasafiri.

Abdulrazak Gurnah
Foto: Anita Schiffer-Fuchs
In England gilt Abdulrazak Gurnah als einer der bekannten Autoren aus dem ehemaligen britischen Empire; seine Romane erscheinen bei renommierten Verlagen und in großen Auflagen. Die ersten drei Romane, „Memory of Departure” (1987), „Pilgrim's Way” (1988) und „Dottie” (1990), dokumentieren die einwandernde Erfahrung ins zeitgenössische Großbritanien von den unterschiedlichen Perspektiven.

Sein vierter Roman, „Das verlorene Paradise” (1994), spielt in Kolonialostafrika während des ersten Weltkrieges und kam in Großbritanien in die Endauswahl für den angesehenen Booker-Preis. „Donnernde Stille” (1996) erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der Sansibar verläßt und nach England auswandert, wo er heiratet und Lehrer wird. „Ferne Gestade” (2001), verknüpft zwei seiner literarischen Themen: die Migration und den kolonialen Alltag der Bevölkerung auf Sansibar. Vor diesem Hintergrund entwirft er ein Tableau an persönlichen Verstrickungen und politischen Intrigen, welche zur Flucht eines alten Mannes nach Großbritanien führen. Im Gepäck trägt er nicht viel mehr als ein einziges Wort: Asyl...

In seinen Romanen nimmt er immer wieder Bezug auf seine ehemalige Heimat und thematisiert die Kolonialherrschaft der Engländer auf Sansibar sowie die politische und ethnische Gewalt und die postkoloniale Ernüchterung, welche auf die Unabhängigkeit folgen. Die Situation von afrikanischen MigrantInnen in England, der alltägliche Umgang mit Rassismus und die Erfahrung eines Lebens im Exil und zwischen zwei Kulturkreisen sind Themen, welche Gurnah persönlich und in seinem Schreiben beschäftigen. In einer von feinem Sarkasmus gezeichneten Sprache verleiht er den Heimatlosen eine Stimme.

Zuletzt erschien der Romane „Die Abtrünnigen” (Desertion, Bloomsbury Publishing, London 2005; Übersetzung aus dem Englischen: Stefanie Schaffer-de Vries, Berlin Verlag, März 2006).


 
   

   
  
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