Donnerstag, 22. Juni 2017



Lesung - Stefanie Gercke in Rostock




Rostock, 14.o1.2oo5 --- Die Rostocker Universitätsbuchhandlung Thalia verbreitet Afrikanisches Fieber im hohen Norden. Rund 5o Afrika - Fans wollen sich von Stefanie Gerckes ganz persönlichem Afrika faszinieren lassen.

Stolz, selbstwußt, damenhaft gesellt sicht die Bestsellerautorin aus gutbürgerlichem Haus in ihrem eleganten schwarzen Kostüm zu unserer Runde.
"Afrika - schon immer und noch immer dunkel lockende Welt." Gemeint ist Südafrika, ein Land, welches die Autorin verzaubert hat, das sie nach 1971 bis zum Ende der Apartheid nicht mehr betreten durfte und das jetzt ihr Urlaubsziel für die Wintermonate ist. In einer Woche fliegt sie wieder hin, in "ein Haus am Hang, von dem aus man die Delphine springen sehen kann". Es ist immer dasselbe Haus. Wenn sie dort ist, besucht sie meist alte Freunde.

Namensfindung ist ein Problem, mit dem sich viele Schriftsteller beschäftigen müssen - auch Frau Gercke. Vor allem, wenn Autoren von ausländischen Kulturen, Völkern und Mythen schreiben, sind deren Sprache, Namen und Bezeichnungen oft nicht in deutsche Buchstaben übertrag- und lesbar. Die Sprache der Zulus, Bantu genannt, besteht aus Zisch- und Klicklauten - für Europäer höchst seltsam anzuhören und noch schwerer auszusprechen. Diese Laute in einem Roman in deutscher Sprache zu gebrauchen, ist undenkbar und unlesbar. Und so passt auch Frau Gercke Namen und Begriffe aus der Zulusprache in ihren Büchern der deutschen Sprachkultur an.
Zu meinem Verwundern jedoch höre ich zu Beginn der Lesung ebendiese seltsamen Klicklaute der Zulus aus dem Mund der deutschen Autorin. Stefanie Gercke, die in ihrem Herzen tief mit Südafrika verbunden ist, vermag sie wiederzugeben - aber auch nur das. "Laienhaft", wie sie uns später selbst gesteht.

Lesung - Stefanie Gercke
Doch bei uns, den Zuhörern, sind Sehnsüchte geweckt und ihr Vorhaben "Ich will ein wenig Fernweh verbreiten" gelingt, und das nicht nur durch das Lesen aus ihrem neuen Roman „Schatten im Wasser”. Locker und doch voller Leidenschaft liest sie Passagen aus ihrem Buch. Passagen, die uns zum Lachen bringen, uns aber auch die Realität im damaligen (und heutigen!) Südafrika näher bringen. "Schwarz und weiß - primitiv und zivilisiert - arm und reich." Zwischen den Passagen hält die Autorin kurz inne. Trinkt einen Schluck Wasser und blickt zu ihrem Mann. Er gibt ihr dann sein Okay, durch einen Blick, ein Lächeln oder den nach oben gereckten Daumen. Zufällig sitze ich genau neben ihm und bin deshalb als Einziger in der Runde Zeuge dieses Rituals zwischen den beiden. Damals empfand ich es als seltsam, dass eine so selbstbewusste Frau wie Stefanie Gercke diese Bestätigung sucht und anscheinend braucht. Aber jetzt, wo ich diesen Beitrag schreibe, glaube ich es zu verstehen. Denn auch in ihrem autobiographischen Roman „Ich kehre zurück nach Afrika” hätte sie oft einen starken Partner an ihrer Seite gebraucht.

Nach der Lesung stand eine Dialogrunde mit der Autorin auf dem Programm. Gerne und ausgiebig stand sie Rede und Antwort. Auf die Frage, ob sie ihr altes Haus in den Umhlanga Rocks seit ihrer Flucht gesehen oder gar betreten hat, antwortet sie innehaltend "Nein. - Doch hätte es wieder zum Verkauf gestanden... hat es aber nicht." Und trotz oder gerade durch das professionelle Auftreten der Autorin war zu spüren, dass da etwas "im Busch" ist. Vielleicht verrät sie es uns ja in ihrem neuen Roman? Eins war jedenfalls deutlich zu spüren: Sie liebt Afrika von ganzem Herzen.


Autor: Sven Rosenow
© Januar 2oo5 - Literaturportal AfrikaRoman - Afrikaromane im Netz


 
   

   
  
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