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Die DurchsichtigenOndjaki

Die Durchsichtigen


ISBN-10: 3884234943 | ISBN-13: 978-3884234945
Gebundene Ausgabe, 340 Seiten
Erschien: Mai 2015, Das Wunderhorn




Kurzbeschreibung zu „Die Durchsichtigen“


Mitten im Zentrum der angolanischen Hauptstadt Luanda steht das Maianga-Gebäude, ein heruntergekommenes Hochhaus, an einem riesigen Loch in der Außenwand zu erkennen. Im ersten Stock strömt pausenlos frisches Wasser aus maroden Leitungen. Es ist ein Ort der Magie, Treffpunkt der Hausbewohner, Straßenhändlerinnen, Journalisten, Tagediebe. Auf dem Dach wird ein illegales Kino betrieben, das bisweilen ganz ohne Leinwand auskommt. Korrupte Beamte, ein Hahn namens Camões und ein Briefträger, der seine Briefe meist selber schreibt, gehen ein und aus, sogar ein leibhaftiger Minister taucht plötzlich auf - rein privat selbstverständlich. Im Untergrund von Luanda wird derweil nach Erdöl gebohrt, Gerüchte um eine ominöse Erschließungsgesellschaft machen die Runde, Politiker wittern das große Geld, während Angola sich auf eine weltweit beachtete Sonnenfinsternis vorbereitet, die in letzter Sekunde von der Regierung schlicht abgesagt wird. Dann überschlagen sich die Ereignisse, und Luanda brennt. Die Durchsichtigen ist eine poetische Satire auf das postkoloniale, postsozialistische, real existierende Angola, eine augenzwinkernde Liebeserklärung an die Bewohner Luandas.

 

 


 

Buchrezension von Jeannette Oholi
Veröffentlicht am 13. Juni 2016


 

Im Zentrum des Romans steht ein Hochhaus in Luanda. Hier leben Odonato mit seiner Familie, der stumme Genosse, Paizinho und viele mehr. Der Briefträger, ein Muschelverkäufer und Riegerungsbeamte gehen aus und ein. In einem Stockwerk des Gebäudes ergießt sich Wasser durch eine marode Leitung. Das Wasser ist für die Hausbewohner jedoch kein Ärgernis, sondern sorgt für Abkühlung und ist Ort für Treffen.

Es ist ein wundersamer Ort. Das Leben im Hochhaus ist bunt, oft laut, die Bewohner sind ideenreich, helfen einander, streiten und lieben sich. Beim Lesen von „Die Durchsichtigen“ bleibt Luanda nicht nur eine reine Beschreibung auf Papier, sondern erwacht zum Leben. Ondjaki gibt Einblicke in eine Stadt, die sich mit einigen Adjektiven mit dem Präfix „post“ beschreiben lässt: postkolonial und postsozialistisch. Zwar geht es in dem Roman auch um Politik – Erdöl wird unter der Stadt gefunden und soll gefördert werden – jedoch gilt Ondjakis Blick jenen, die nicht in der Zeitung stehen, sondern ein einfaches Leben führen. Es ist eine Liebeserklärung des Autors an die Bewohner Luandas, die die Stadt erst zu dem machen, was sie ist: einem Ort, an dem sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf besondere Weise verbinden.

Odonato ist eine der herausragenden Romanfiguren. Er sehnt sich in die Vergangenheit zurück und sieht die Gegenwart Luandas kritisch. Diese Gegenwart, die sich rasant der Zukunft annähert, überrennt einige Menschen, da sie sie nicht sieht. Odonatos Körper selbst können andere immer weniger sehen, da er durchsichtig wird. Und er wird auch immer leichter. An einer Stelle des Textes sagt Odonato, dass die Menschen durch ihre Armut durchsichtig werden. Zum Schluss des Romans, so viel sei gesagt, schwebt Odonato und hat nur noch durch ein Seil um sein Bein Kontakt mit der Erde.

Auch Paizinho ist eine Figur, die sich der Vergangenheit zuwendet. Seit vielen Jahren sucht er verzweifelt seine Mutter, die er in den Wirren des Krieges verloren hat. Mit seinem tragischen Tod stirbt allerdings auch die Möglichkeit, seine Mutter wiederzusehen. Mit einer wunderbar poetischen Sprache schlüpft Ondjaki in jede Figur seines Romans und lässt auch die Brutalität des Lebens nicht aus.

Dennoch gibt es in „Die Durchsichtigen“ viele lustige Momente, denn Ondjaki ist ein wahrer Meister der Satire. Wie kaum ein anderer legt er Missstände wie Gier und Korruption mit einem Augenzwinkern offen. Politiker und andere Vertreter der Regierung werden regelrecht vorgeführt und dem Verlachen des Publikums ausgesetzt. „Die Durchsichtigen“ ist ein wirklich kluger Roman, geschrieben in unglaublich schöner Sprache und markantem Stil.


Bewertung: 5 afrikanische Kontinente

Leserstimmen

noch kein Buchkommentar




 

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