ISBN-10: 3-87294-940-3 | ISBN-13: 978-3872949400
Gebundene Ausgabe, 292 Seiten
Erschienen: September 2003, Peter Hammer Verlag
(Originalausgabe erschien 2001 unter dem Titel "Temps de chien" bei Le Serpent à Plumes, aus d. Franz. v. Gudrun und Otto Honke.)
Kurzbeschreibung:
In ganz neuem Ton, lebensvoll und deftig, intelligent und differenziert, entwirft Patrice Nganang ein vitales Bild des heutigen Kamerun. Eine Kneipe in der Hauptstadt Yaoundé - der Wirt, sein Hund, die illustre Kundschaft - bilden den Mikrokosmos, der trefflich für das Ganze steht. Erzählt aus der Perspektive eines denkenden Hundes, entdeckt der Leser gleichzeitig so manches zu der Frage: Was ist der Mensch?
Ich vermeide es, beim Ansehen des Schauspiels menschlicher Laster erwischt zu werden. Ich vermeide es, laut darüber zu lachen, und zwar seit jenem Abend, an dem ich einen Hieb mit einem alten Schuh auf die Schnauze erhielt.
(...) Der Mann hatte sein Liebchen in eine finstere Ecke der Kneipe gedrückt. Allzu sehr damit beschäftigt, die Anstrengungen der eifrigen Hand mit der gebotenen Objektivität zu beurteilen, war mir entgangen, dass die Frau mich ertappt hatte.
"Verdrück dich", hatte sie mich angezischt, mitten in ihrer mit offentsichtlichen Schuldgefühlen belasteten Verzückung. "Mboudjak, hau ab!"
"Kümmere dich nicht um ihn", hatte der Liebhaber gesagt ... "Es ist doch nur ein Hund, oder?"
"Wer weiß, ob es nicht mein Mann ist", hatte die Frau geantwortet. Und ängstlich hinzugefügt: "Docta, hast du nicht gesehen, wie er uns anschaut?" (...)
Tief beschämt hatte ich mich davongeschlichen. Dadurch, dass ich die Menschen beobachte und nichts anderes tue, mag mein Hundsein an Eindeutigkeit verloren haben. Als ein Mensch angesehen zu werden, wird aber trotzdem immer die schlimmste Beleidigung bleiben, die man mir gegenüber äußern kann.