Dienstag, 27. Juni 2017


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Benefiz-Buch gegen Aids
2o Autorinnen und Autoren folgten dem Aufruf Nadine Gordimers


Seit 1988 wird an jedem 1. Dezember der Welt-AIDS-Tag begangen. Rund um den Globus erinnern zu diesem Datum verschiedene Organisationen an das Thema Aids, um die unheilbare Immunschwächekrankheit wieder ins Bewusstsein der Menschen zu rücken und auf die Probleme und Nöte aidskranker Menschen aufmerksam zu machen.

Von den weltweit 4o,3 Millionen HIV-infizierten und Aids-erkrankten Menschen leben rund 64% im Afrika südlich der Sahara. Im Kampf gegen Aids ist die südafrikanische Treatment Action Campaign, kurz TAC, eine der effektivsten und bekanntesten Organisationen. Seit 1998 konzentrieren sich die Hauptaktivitäten dieser Nicht-Regierungs-Organisation mit 13 Mitarbeitern und Hunderten ehrenamtlichen Aktivisten, von denen ein großer Teil selbst HIV-positiv ist, in dem Gründungsland des TAC: Südafrika. Die wichtigsten Anliegen von TAC sind dabei eine intensive Aufklärungsarbeit und der Kampf um bezahlbare Medikamente für HIV-positive Menschen in Südafrika, dem Land mit den weltweit erschreckendsten Statistiken zu HIV/Aids.

Eine quasi nicht existente Aidspolitik unter Mandela und seinem Nachfolger Mbeki führte dazu, dass eine Vielzahl von Infizierten ihre Krankheit verheimlichten. Unvorstellbar und für uns nicht nachvollziehbar: Aids gab es als Todesursache in Südafrika nicht! Offiziell starb man an Tuberkulose oder anderen Krankheiten. Diese Stigmatisierung, verbunden mit der Blockierung der Ausgabe wichtiger Medikamente durch die Regierung, führt zu einem Massensterben, dessen ökonomische und soziale Folgen sich bis jetzt nur erahnen lassen. Pro Tag kommen 15oo HIV - Neuinfektionen dazu und die Regierung schweigt. Diese Ignoranz erschwert auch den TAC - Aktivisten an der Basis die Aufklärungsarbeit.

Die TAC klärt den einfachen Bürger Südafrikas auf, prangert lautstark das Unter-den-Teppich-kehren der Immunschwächekrankheit durch die Regierung an und hat durch Druck auf diverse Pharmafirmen erreicht, dass in Südafrika günstigere Aids-Medikamente hergestellt und auch an Kranke ausgegeben werden. Leider fehlt es an ausgebildetem Fachpersonal in Krankenhäusern und an staatlicher Unterstützung.

In der Literaturnobelpreisträgerin Nadine Gordimer hat das TAC eine prominente Mitstreiterin gefunden. Die Autorin, die selbst in Südafrika lebt und arbeitet, hat erkannt, das auch das Schriftstellerkollektiv mit einer Aktion auf die Aids-Problematik reagieren muß, ähnlich wie es Musiker und Schauspieler mit Benefizkonzerten und -galas tun. Sie "hatte die Idee, wunderschöne Geschichten zu sammeln, die nichts mit Aids zu tun haben und sie in einem Buch zusammenzufassen", so Frau Gordimer. Zwanzig weltberühmte Autoren, darunter fünf Nobelpreisträger, haben überwältigend positiv reagiert und honorarfreie Short Stories speziell für dieses Buch geschrieben. Diese Kurzgeschichten und eine eigens aus der Hand der Initiatorin, die am 2o. November ihren 82. Geburtstag feierte, wurden dann in einem Buch mit dem Titel "Telling Tales" zusammengefasst und veröffentlicht. Eine Vielzahl von Verlagen weltweit, darunter Bloomsbury, Holtzbrinck Publishers, der US-amerikanische Verlag Picador und der Berliner Taschenbuch-Verlag beteiligen sich an dem Projekt, dessen Erlöse der HIV/AIDS-Prävention nicht nur in Südafrika zugute kommen. Liest man dann noch die Namen der Autoren, die Texte zu diesem Buch beigesteuert haben (u.a. Günther Grass, Woody Allen, Arthur Miller, Gabriel García Márques, Amos Oz, José Saramago und Salman Rushdie), wird klar, dass es sich um ein ganz außerordentliches Buch handelt.

Stand: 27.11.2oo5
Telling Tales, Hg. Nadine Gordimer






„Telling Tales”
Hg. Nadine Gordimer

Verlag: Berliner Taschenbuch
ISBN: 3-8333-o295-X
Seiten: 384
Einband: Kartoniert
Erschienen: Mai 2oo5

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Autorenprofil Nadine Gordimer [-] 


 
   

   
  
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