Mittwoch, 23. August 2017


Leseprobe zu „Afrika - Im Auftrag der Geier”





Afrika - Im Auftrag der Geier
Verlag: epubli GmbH
ISBN: 978-3844260250
Seiten: 200
Einband: Softcover
Erschien: Juli 2013

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Textauszug aus: „Afrika - Im Auftrag der Geier”, Maxi Hill


Bisweilen auf meinem Weg zurück vom bairro fühlte ich mich frei, als habe ich soeben eine Schuld beglichen. Dieses Mal nicht. Ich fühlte mich schuldig, von dieser Gefahr nichts gewusst zu haben. Was könnte man tun? Was kann die Welt tun? Welche Welt? Die einen verdienen am Krieg, die anderen auch. Dieser Krieg, der nicht enden wollte, der noch lange sein Tribut forderte, als die Kriegstreiber längst die Waffen streckten, ließ sein Teufelszeug im Schoß der Erde ruhen, noch jahrelang unzählige Unschuldige treffend. Für alle, die den Tod mehrerer Hunderttausend von Menschen noch nicht für eine Katastrophe hielten, für die waren auch fünf Millionen Minen in angolanischer Erde nicht erwähnenswert. Ntumba war eine einfache Frau vom kargen Land, ohne besondere Bildung. Doch wie recht sie hatte, begriff ich wohl deshalb nicht, weil mich ihre Worte zutiefst verletzt hatten. Einfache Worte, die ihre anfängliche Skepsis erklärten: Die Absicht der Fremden ist wie das Feuer. Du kannst deine Hirse damit kochen oder dein Haus anbrennen.

Kein noch so gerader Weg hätte mich schnurstracks nach Hause geführt. Um zur Besinnung zu kommen, brauchte ich Zeit und Ruhe. Reden ist nicht immer das Klügste, auch dann nicht, wenn der Verstand gegen Verstandesfeindlichkeit rebelliert.
Also lief ich schweigend den holprigen Weg entlang in jene Richtung, aus der ich vor langer Zeit mit Arne gekommen war, bevor uns Enkembe begegnete. Entlang der Gleise öffnete sich der Blick auf den luftigen Glockenstuhl einer weißblauen Kirche, der die Rückankunft in der Zivilisation bedeutete. Der Anblick dieser Erhabenheit unter dem tiefblauen Mittagshimmel brachte nicht nur Farbe in meine trüben Gedanken, er weckte Kindheitsgefühle, die von jeher in mir schlummerten, die aber hier zu einer Art Erbauung erwachten. Eine unwiderstehliche, leidenschaftliche Kraft trieb mich in diese Richtung, die so gar nichts mit meinem Heimweg zu tun hatte. Die Tür stand offen, nur ein Gitter schützte die Betenden auf ihren harten Bänken vor Ungebetenen. Und dann mir war es, als sei ich versteinert vor Freude und gleichermaßen vor Schmerz. Die Gemeinde erhob sich und sang so unvergleichlich schön, so bedrückend schwer und so kunstvoll, wie ein vielerprobter Gospelchor es nicht besser könnte. Diese hohe Kunst des singbaren Gottlobs war mir nirgendwo so schön, weil so innig und frei und ohne die Last einer Pflicht, vorgekommen. Jetzt wusste ich, warum ich den langen Weg in dieses bairro nicht längst verfluchte. Alles, was man aus tiefstem Herzen tut, kann keine Last sein.

aus: Maxi Hill: Afrika - Im Auftrag der Geier


Wir danken der Autorin für die Veröffentlichungserlaubnis!


 
   

   
  
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