Montag, 11. Dezember 2017


Leseprobe zu „Die Regenkönigin”





Die Regenkönigin
Verlag: Droemer Knaur
ISBN: 978-3426624081
Seiten: 589
Einband: broschiert
Erschienen: 2003

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Textauszug aus: Katherine Scholes, „Die Regenkönigin”, Roman

Prolog

Dodoma, Tansania, Ostafrika 1974

Auf dem Friedhof der anglikanischen Kirche standen zwei Särge zur Beerdigung bereit. Einer von ihnen war fast einen Fuß länger als der andere, aber abgesehen davon waren sie völlig identisch – einfache Kisten aus unbearbeitetem Sperrholz. Neben den Särgen stand Bischof Wade, dessen mächtiger Bauch sich unter der roten, mit Goldfäden bestickten Robe wölbte. Seine blasse Haut war gerötet, und der Schweiß lief ihm von der Stirn. Er blickte über die Menschenmenge. Die Leute säumten die Wege und füllten die Zwischenräume zwischen den Gräbern; sie saßen auf den Ladeflächen und Dächern der Landrover, die vor dem Friedhof parkten, und selbst in den Ästen der alten Mangobäume, deren Kronen dem Friedhof Schatten spendeten, hingen sie.

Vorn standen die Missionare, zusammen mit ein paar anderen Europäern und einem halben Dutzend Journalisten mit Kameras und Notizblöcken. Hinter ihnen drängten sich die westlich gekleideten Afrikaner aus der Stadt und der Mission und eine Gruppe von Indern mit Turbanen und in Saris. Die Landbevölkerung bildete den äußeren Ring – ein Meer von schwarzen Köpfen, in bunte Gewänder gekleidet und mit Decken. Der Bischof hob die Hand und wartete, bis die Menge verstummt war. Dann begann er aus einem Buch zu lesen, das ihm einer seiner afrikanischen Ministranten hinhielt. Seine kräftige, klare Stimme übertönte das Wirrwarr kleinerer Geräusche: Husten und Füßescharren, schreiende Säuglinge und das ferne Geräusch eines Lastwagens, dessen Schaltung malträtiert wurde.

»Nackt und bloß sind wir auf die Welt gekommen, und nackt und bloßwerden wir sie wieder verlassen …« Er las noch ein paar Zeilen, doch dann brach er ab, weil er spürte, dass in der Menge etwas vor sich ging: unmerklich hatte sich die Aufmerksamkeit verlagert. Als er hochblickte, riss er erstaunt die Augen auf. Im hinteren Teil des Friedhofs war eine Gruppe von Kriegern aufgetaucht – langgliedrige Männer mit schlammverkrusteten Haaren und Halsketten aus bunten Perlen. Sie drängten sich durch die Menge bis nach vorn zu den Leuten aus der Mission. Die Spitzen ihrer langen Jagdspeere, die sie hoch über den Köpfen schwangen, funkelten in der Sonne.

Mitten unter ihnen befand sich eine weiße Frau. Ab und zu konnte man sie zwischen den bloßen Schultern der Männer erkennen – dann leuchteten kurz blasse Haut, ruhige Augen und rote lange Haare auf. Erstauntes Murmeln folgte ihr in Wellenbewegungen auf ihrem Weg durch die Menge.

Nicht weit vom Bischof entfernt blieben die Krieger stehen. Auch die weiße Frau stand still vor den Särgen, ohne sich um die Unruhe, die sie verursacht hatte, zu kümmern.

Sie war eine seltsame Erscheinung, groß und schlank, in khakifarbener Buschkleidung, die von Schweiß und Staub beschmutzt war. Im Gegensatz zu den anderen Frauen in der Menge trug sie Hosen. Um die Taille hatte sie einen breiten Munitionsgürtel aus Leder geschlungen. Sie stand ganz still, mit unbeweglichem Gesicht, den Blick starr geradeaus gerichtet.

Der Bischof fuhr in seiner Lesung fort. Als er fertig war, verkündete er, dass der Chor jetzt ein Kirchenlied singen würde. Dabei drehte er sich absichtlich zu den Sängern um, in der Hoffnung, dass auch die Menge ihnen ihre Aufmerksamkeit zuwenden würde. Aus den Augenwinkeln jedoch sah er immer noch nur zu deutlich die schweigende Frau, die vor den Särgen stand …

»Führe mich, o großer Jehova, als Pilger durch dieses dürre Land.«

Klar und deutlich erklangen die Worte und vereinten die Vielzahl der Stimmlagen zu einer einzigen komplexen Stimme.

»Brot des Himmels. Brot des Himmels. Nähre mich, bis ich gesättigt bin …«

Beim letzten Vers des Liedes gab der Bischof einem seiner Ministranten einen Wink. Daraufhin trat ein Mädchen aus der Menge vor, geführt von einer der Missionarsfrauen. Sie trug ein frisch gebügeltes, blaues Kleid. Der weite Rock bauschte sich um ihre Knie, als sie vortrat. Sie hielt den Kopf gesenkt, und ihre dunklen Haare fielen ihr ins Gesicht. In den Armen trug sie zwei zerrupfte Blumensträuße aus wilden Orchideen, Sonnenblumen, Gartenblättern und Unkraut – ganz offensichtlich hatte das Mädchen die Blumen selbst gepflückt.

Als die kleine Gestalt auf die Särge zutrat, begann eine afrikanische Frau hinten in der Menge laut zu jammern. Andere schlossen sich ihr an, und bald übertönten ihre Klagen den Chor. Es war fast so, als habe die Beerdigung bis jetzt dem Bischof und seiner Gemeinde gehört, aber der Anblick des Kindes, das an die Särge seiner Eltern trat, löste einen kollektiven Schmerz aus, der sich in der Liturgie nicht fassen ließ. Tiefe, ursprüngliche Trauer überwältigte die Menge.

Kate stand zwischen den beiden Holzkisten. Sie legte den ersten Blumenstrauß auf den Sarg ihres Vaters und rückte ihn sorgfältig auf der Mitte des Deckels zurecht. Dann drehte sie sich um zu dem anderen Sarg, in dem die Leiche ihrer Mutter lag. Sie blickte auf die Bretter, als versuche sie hindurchzusehen. Ob sie wohl die Augen offen hat?, fragte sie sich. Oder sind sie geschlossen, als ob sie schliefe …

Sie hatte die Leichen nicht mehr sehen dürfen. Sie hatten gesagt, sie sei ja noch ein Kind. Niemand hatte hinzugefügt, dass die Körper von Macheten aufgeschlitzt worden waren, aber Kate wusste, dass es so war.

Auch die Gesichter?, wollte sie fragen. Aber offenbar hatte niemand von ihr erwartet, dass sie etwas sagte. Sie wollten, dass sie weinte, schlief, aß, Tabletten schluckte. Alles – nur Fragen durfte sie nicht stellen.

»Es ist ein Segen, dass du nicht da warst«, sagten sie immer wieder. »Gott sei Dank warst du hier im Internat. Wenn man daran denkt …«

Ein Journalist drängte sich durch die Menge und richtete seine Kamera auf sie, um den Augenblick einzufangen, wenn das Kind den zweiten Blumenstrauß niederlegte. Kate starrte ihn mit steinernem Gesicht an, als er sich vorbeugte, um sie besser ins Bild zu bekommen. Worte kreisten in ihrem Kopf wie ein Zauberspruch und hielten sie vom Denken ab.

Halte dein Herz fest. Es ist Gottes Wille.

Halte dein Herz fest.

Sie dachte die Worte auf Swahili – mit der Stimme der afrikanischen Hausmutter, die sie aus dem Schulbüro begleitet hatte, nachdem man es ihr gesagt hatte. Man hatte es ihr einfach so gesagt. Ein Mann bewegte die Lippen, Worte kamen heraus.

»Etwas Schreckliches ist geschehen …«

Halte dein Herz fest.

Kate blickte auf und begegnete dem ruhigen Blick der rothaarigen Frau. Sie kam ihr irgendwie vertraut vor, aber die Verbindung war nicht stark genug, um die Erstarrung des Mädchens zu durchdringen. Nach einem kurzen Moment wandte Kate die Augen ab und blickte über den Friedhof hinaus. Die Bäume waren sattgrün. Die Erntezeit stand kurz bevor. Sie stellte sich den Mais auf den Feldern vor. Er reichte ihr bis über den Kopf. Die gelben Maiskörner wurden dick in ihren seidengesäumten Muscheln. Nur noch wenige Wochen, und die Hungerzeit würde wieder einmal vorüber sein …

Kate ging zurück zu ihrem Platz neben der Frau des Arztes und blieb dort ganz still stehen, den Blick auf ihre Schuhe gerichtet – das glänzende schwarze Leder war staubig von dem feinen roten Sand.

»Sollen wir nach Hause gehen?«, flüsterte Mrs. Layton ihr ins Ohr. Kate blickte sie verwirrt an. »Ich meine, zu mir nach Hause«, fügte die Frau hinzu. »Du brauchst nicht mehr länger hier zu bleiben.« Sie versuchte, dem Kind zuzulächeln, aber ihre Lippen bebten. Mrs. Layton nahm Kates Ellbogen und schob sie durch die Menge. Ein junger Mann mit Notizblock und Kamera eilte ihnen nach.

»Entschuldigung«, begann er, als er Kate eingeholt hatte. Er hatte ein freundliches Gesicht, aber bevor er noch etwas sagen konnte, scheuchte Mrs. Layton ihn fort.

»Reden Sie mit dem Bischof«, sagte sie zu ihm. Dann führte sie Kate rasch weg.

Als die Beerdigung vorüber und das letzte Lied gesungen war, begann sich die Gemeinde zu zerstreuen. Reporter eilten zu ihren Interviews, während die Missionare in kleinen Grüppchen herumstanden, als wollten sie nicht wahrhaben, dass der Gottesdienst beendet war. Der junge Journalist trat auf den Bischof zu. Der Mann stand immer noch neben den beiden Gräbern und blickte auf die aufgeworfenen Erdhügel.

»Bischof Wade, ich habe ein paar Fragen …«, begann der Journalist.

»Die Mission hat eine Erklärung herausgegeben«, schnitt ihm der Bischof das Wort ab.

Der junge Mann nickte. Er hatte das Dokument vor zwei Tagen gelesen. Es hatte lediglich den Mord an zwei Missionaren, Dr. Michael Carrington und seiner Frau Sarah, in einer abgelegenen Station im Westen, nahe der Grenze zu Ruanda, bestätigt. Ein Motiv für die Morde war nicht bekannt. Dann hatte lediglich noch dagestanden, dass ein dritter Europäer, der zur Zeit des Zwischenfalls zu Besuch in der Station gewesen war, nicht verletzt worden sei. Das war alles. Eine weitere »Information«, die sich jedoch trotzdem rasch in Dodoma herumgesprochen hatte, wurde nicht erwähnt. Offenbar war das weibliche Opfer vor seinem Tod nackt ausgezogen worden, und man hatte ihr bizarrerweise, so ging das Gerücht, ein Ei in den Mund gestopft. »Es gibt noch einige Punkte, zu denen ich gerne ein paar Details wissen würde«, sagte der Journalist. Der Bischof blickte zustimmend auf. Er sah müde und erschöpft aus, jetzt, da er die Beerdigung hinter sich gebracht hatte. Der Journalist vermutete, dass er ihm wahrscheinlich nicht allzu viele Fragen stellen konnte.

»Können Sie bestätigen, dass ein Ei …«, begann er. Der Bischof warf ihm einen gequälten Blick zu, aber der junge Mann fuhr fort. »In … Mrs. Carringtons … Mund war?« Der Bischof nickte. »Da der Überfall Ostern stattgefunden hat, sollte es wahrscheinlich eine Anspielung auf die christliche Sitte des Eierversteckens zu dieser Zeit sein.« Seine Stimme klang monoton, als rezitiere er lediglich eine Antwort, die er vorbereitet hatte. »Auf der ganzen Welt, wo immer die Liebe Gottes gepredigt wird, gibt es Menschen, die mit Hass darauf reagieren.« Er holte tief Luft. Der Journalist blickte auf seinen Notizblock und stellte noch eine Frage.

»Wie alt ist das Mädchen?«

»Zwölf.«

»Was geschieht mit ihr?«

»Sie wird nach Australien zurückkehren. Es gibt keine nahen Verwandten, und der Missionssekretär wird ihr Vormund werden. Man wird gut für sie sorgen, und sie wird auf die besten Schulen gehen.«

Der Journalist machte sich Notizen. »Wie kommt sie damit zurecht?«, fragte er.

»Sie ist stark«, erwiderte der Bischof bekümmert. »Wir können nur beten, dass ihr Glaube ihr hilft.«

Ein weiterer Journalist tauchte neben ihnen auf – ein älterer Mann mit spärlichem grauem Haar und einem erhitzten Gesicht. Als er den Mund öffnete, um etwas zu sagen, schüttelte der Bischof den Kopf. »Genug. Bitte …« Er wandte sich ab.

Der neu Hinzugekommene ließ sich jedoch nicht abschrecken und stellte seine Frage. »Die andere Person, die zu Besuch war. Es war eine Frau, nicht wahr – eine Miss Annah Mason?«

»Ja, das stimmt«, erwiderte der Bischof und wandte sich zum Gehen. Beide Journalisten hefteten sich an seine Fersen.

»Hat sie den Mord mit angesehen? War sie dabei?«, fragte der ältere Journalist. Ohne die Antwort des Bischofs abzuwarten, fuhr er fort: »Wie kommt es denn, dass sie sie nicht mal angerührt haben? Ich meine, wenn man bedenkt, was den anderen beiden passiert ist …«

Der jüngere Journalist verzog entsetzt das Gesicht bei dieser Frage, aber er lief trotzdem weiter neben den beiden her.

»Und diese…Miss Mason…stimmt es, dass sie zu Ihren Missionaren gehört und dass man sie gezwungen hat, ihren Dienst zu quittieren? Können Sie mir sagen, warum?«

Der Wortschwall des Mannes brach plötzlich ab, als der Bischof sich umdrehte. Er war ein großer Mann, und jetzt war sein Gesicht vor Zorn ganz starr. Beide Journalisten traten einen Schritt zurück.

Der Bischof ließ sie einfach stehen und ging.

»Sie war nämlich hier, wissen Sie«, sagte der Grauhaarige. »Miss Mason.« Er leckte sich über die Lippen, als freute er sich schon auf ein kühles Getränk. Der andere Journalist blickte sich um. »Haben Sie mit ihr gesprochen?«

»Das wollte ich zuerst.« Der Mann kratzte sich an der Nase. »Aber dann hat mir einer ihrer Leibwachen seine Speerspitze gezeigt, und die sah sehr scharf aus.« Er schüttelte den Kopf. »Schade.« Dann schob er seinen Bleistiftstummel in die Hosentasche und ging achselzuckend davon.

Kate saß in einem sonnendurchfluteten Wohnzimmer mit Fremden, die ihr etwas zu essen anboten. In ihrem Mund schmeckte alles nach kaltem Blei. Nach ein paar mühsamen Bissen schob sie ihren Teller weg. Dann ging man mit ihr in einen Lagerraum, in dem einige Truhen aufgereiht standen. Mrs. Layton erklärte ihr, jemand in der Station Langali habe die Habseligkeiten ihrer Familie eingepackt und hierher geschickt. Die Kisten würden demnächst nach Australien verschifft. Sie reichte Kate ein paar Dinge, die man für sie beiseite gelegt hatte – Dinge, von denen Mrs. Layton annahm, dass das Mädchen sie gerne bei sich haben wollte. Die Bibel ihres Vaters und die wenigen Schmuckstücke ihrer Mutter. »Danke«, sagte Kate. Sie warf kaum einen Blick darauf und ließ alles einfach zu Boden fallen. Dann trat sie zu einer der Truhen und sah sich an, was eingepackt worden war. Sie holte eine ihrer Puppen heraus – es war diejenige, die man jedes Jahr zu Weihnachten, in ein weißes Tuch gewickelt, als Jesus in die Krippe gelegt hatte.

»Du kannst sie auch mitnehmen«, schlug Mrs. Layton vor. Kate sah ihr an, dass ihr die Vorstellung gefiel, dass eine Puppe sie trösten könnte. Sie warf die Puppe zurück in die Kiste und blickte in einen Pappkarton voller alter Kleider.

»Das sind Sachen, die du wohl nicht behalten musst«, sagte Mrs. Layton. »Hauptsächlich Kleider. Wir werden sie den Afrikanern geben.« Stirnrunzelnd beugte Kate sich vor und ergriff ein paar Schuhe. Sie gehörten Sarah. Ihre Alltagsschuhe – die Schuhe, die sie trug, wenn sie in der Küche, im Krankenhaus und auf dem Gelände herumlief. Sie waren sauber geputzt, aber ganz weich und abgenutzt. Kate drückte sie ans Gesicht und atmete den herben Geruch von getrocknetem Schweiß ein. Nach einer Weile trat Mrs. Layton zu ihr und legte ihr die Hand auf die Schulter. »Weine ruhig, Liebes. Es ist besser, es herauszulassen.«

Kate hielt den Kopf gesenkt. Sie konnte nicht weinen. Die Tränen schienen in ihr festzustecken, in einem harten Klumpen Schmerz, der ihr im Hals saß.

Allein in ihrem kahlen Gästezimmer, kniete Kate sich vor das Bett, um zu beten. Sie konnte nicht denken, empfand nichts. Sie fühlte sich leer und verloren – als ob auch sie nicht mehr lebte. Sie fragte sich, ob das wohl an der Tablette lag, die Dr. Layton ihr gegeben hatte. Nach ein paar Minuten stand sie wieder auf. Ihr Blick fiel auf Sarahs Schuhe, und sie zog sie an. Sie waren ihr viel zu groß, und wenn sie versucht hätte, darin zu gehen, wären sie ihr von den Füßen gefallen. Kate setzte sich still auf die Bettkante und ließ sich von den abgenutzten Schuhen trösten. Sie spürte die Konturen, die die Füße ihrer Mutter hinterlassen hatten, unter ihren eigenen Füßen. Fast konnte sie sich vorstellen, dass Sarah sie gerade ausgezogen hatte. Dass sie noch warm waren … Es beruhigte sie, zumindest so lange, bis die Tablette ihre Wirkung tat und den Schmerz betäubte.

Schläfrig legte Kate sich ins Bett und schlüpfte zwischen die gespannten Laken. Dann hörte sie, wie die Tür aufging. Rasch schloss sie die Augen. In Erwartung einer weiteren Umarmung versteifte sie sich – schon wieder ein Fremder, der sie berührte. Die Mutter von jemand anderem. Aber die Gestalt neben ihrem Bett roch nach kalter Asche und Butter. Kate blinzelte.

»Ordena?«, flüsterte sie den Namen ihrer alten Ayah. Nein, sagte sie sich, das kann nicht sein. Wer sollte sie denn hierher gebracht haben? Den ganzen Weg von Langali…

»Habe ich dich nicht als kleines Kind in meinen Armen gehalten?«, antwortete die Frau.

»Du bist gekommen«, hauchte Kate. Sie konnte es kaum glauben.

»Ganz richtig, ich bin gekommen.« Ordena nahm Kate in die Arme. Langsam und sanft wiegte sie sie, als sei sie wieder ein Baby. Vor und zurück schaukelte die alte Amme im gleichmäßigen Rhythmus eines afrikanischen Wiegenlieds. Nach und nach wich die Starre von Kate, und sie schmiegte sich in die vertraute Umarmung. Und endlich flossen die Tränen.

aus: Katherine Scholes: Die Regenkönigin
© Droemer/Knaur Verlagsgruppe, 2003


Wir danken den Verantwortlichen für die Veröffentlichungserlaubnis!


 
   

   
  
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