Historische Romane Rezensionen

Rolf Ackermann: Die weiße Jägerin

Die weiße Jägerin
Geschrieben von Sven R.
Rolf Ackermann: Die weiße Jägerin

Rolf Ackermann: Die weiße Jägerin

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Als die Briefe ihres Bruders aus Afrika eintreffen, beginnt die junge Margarete davon zu träumen, ebenfalls dorthin zu gehen. 1907 bricht sie gemeinsam mit ihrem Mann Ulrich nach Deutsch-Ostafrika auf. Am Fuße des Kilimandscharo weiß sie sofort: Hier ist ihre Heimat.
Margarete und Ulrich bauen eine Farm auf, die zu einem Paradies für sie und ihre Kinder wird. Doch im Gegensatz zu Margarete kann ihr Mann Afrika nur wenig abgewinnen. Verständnislos bleibt er zurück, wenn sie wochenlang durch die Savanne und den Busch reitet, auf der Jagd nach Löwen und Elefanten. Margarete gewinnt schnell das Vertrauen der schwarzen Einheimischen, die die weiße Jägerin unendlich bewundern. Je mehr sich das Ehepaar voneinander entfremdet, desto stärker wird Margaretes Liebe zu Anthimos, der ihre Leidenschaft für Afrika teilt. Beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs will er mit ihr Afrika verlassen. Doch Margaretes Herz hängt an diesem Land und an ihrer Farm…

AfrikaRoman-Rezensionen zu: Die weiße Jägerin von Rolf Ackermann

Autor: Sven Rosenow
schrieb am 20. August 2005

Das Deutsche Reich zu Kaiser Wilhelms Zeiten. Auch Deutschland versucht ein Stück vom großen Kuchen Afrika abzubekommen…

Die deutsche Außen- und Kolonialpolitik als äußere Rahmenhandlung für die Lebensgeschichte der Margarete Trappe: der Autor Rolf Ackermann zeichnet mit diesem Roman nicht nur ein auf wahre Begebenheiten beruhendes Portrait einer Frau, deren Schicksal die Liebe zu Afrika war, sondern auch die globalpolitischen Veränderungen jener Zeit und gibt nebenbei den historischen Politgrößen ein Gesicht.
So etwa dem deutschen Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck-Schönhausen, der in einem genialen Schachzug eine Expedition deutscher Handelstreibenden als Privatpersonen zusammenstellt, um in Sansibar und Ostafrika – das von den Engländern und Franzosen den militärischen Beistand gegen Angriffe von außen hat – den Landerwerb voranzutreiben und somit ertragreiche Handelsgebiete ans Deutsche Reich zu binden. Im Jahr des Expeditionsantritt 1884 wird in Petersdorf, einem Rittergut in Schlesien, die Protagonistin Margarete Zehe geboren, deren Bruder Alfred die Expedition als Geograf begleitet. Seine Briefe sind es, die in Margarete den Wunsch wecken, ebenfalls dort zu leben.

Ausgestattet mit fundierten Hintergrundinformationen um die Kolonialpolitik Deutschlands, zeigt uns der Autor die Lebensgeschichte der charismatischen Margarete, die 1907 gemeinsam mit ihrem Mann Ulrich Trappe nach Deutsch-Ostafrika aufbricht, um am Fuße des Kilimandscharo ihren Traum von Afrika Wirklichkeit werden zu lassen.
Aus verschieden Sichtweisen werden dem Leser die Jahre geschildert, in denen Margarete die abenteuerliche Freiheit und atemberaubende Schönheit Afrikas erlebt. Sie gewinnt das Vertrauen der Eingeborenen, die “die weiße Jägerin” unendlich bewundern und ihr den Namen Jeyo, Mutter, geben. Im Gegensatz zu ihrem Mann Ulrich jedoch wächst ihre Leidenschaft für die Jagd und das Land, welche der Autor eindrucksvoll und sprachgewandt beschreibt. Geteilt wird diese Leidenschaft von Anthimos, dem griechischen Freund ihres Bruders, der sie immer häufiger auf der Jagd begleitet. Und so erliegt Margarete endgültig dem Zauber Afrikas. Doch sieben Jahre nach ihrer Ankunft gerät ihr Paradies in die Fänge der Weltpolitik. Die Götter Afrikas greifen erneut in das Schicksal der weißen Jägerin ein.

Ein Afrikaroman, der so wunderbar erzählt ist, wie es wohl nur jemand kann, der selbst viele Jahre in Ostafrika gelebt hat und der die Schönheit der Natur, die geschichtlichen Zusammenhänge sowie Kultur, Religion und Sprache der Eingeborenen kennt.

Autor: Dagmar Sachse
schrieb am 21. Januar 2007

Zwischen Schnulze und Historie

Ostafrika zur Zeit der Kolonisation durch die Deutschen: Vor rund einhundert Jahren kommen Margarete Trappe und ihr Mann Ulrich als Siedler in das Land am Berg Meru und bauen sich eine gut gehende Farm mit einer Rinderzucht, zahlreichen Pferden und Ziegen auf. Besonders Margarete blüht in Afrika auf, entwickelt sich zu einer ausgezeichneten Schützin und wird zu einer Jägerin mit sensationellen Instinkten. Erstaunlicherweise wird sie, dank der Weissagung eines alten Massai-Weisen, durch das kriegerische Eingeborenenvolk beschützt und hat nicht, wie zahlreiche andere deutsche Farmer, unter den Massai-Angriffen zu leiden. In Guerilla-Manier werden die Kinder der Farmer vergiftet, das Vieh getötet und Häuser niedergebrannt, führen sich die Deutschen doch als typische „weiße Eroberer” auf und versuchen, das Land mit der Holzhammer-Methode unter ihre Herrschaft zu bringen.
Margaretes Idylle zerbricht allerdings bald – mit dem Ende des Ersten Weltkrieges wird sie enteignet. Nahezu mittellos beginnt sie nach einiger Zeit, die Farm am Meru mit Hilfe ihrer Freunde unter den Massai wieder aufzubauen. Das Geld hierfür verdient sie sich mit der gefährlichen und illegalen Trophäenjagd für reiche und skrupellose Europäer.

Die weiße Jägerin – der Titel klingt, als ob einmal wieder ein Frauenschicksal aufgemöbelt und danach zu einem sich gut verkaufenden Roman verwurstet wird. Doch so ist es nicht! Der Autor verwebt geschickt die historisch relevanten Daten dieser Zeit mit der Biografie einer beeindruckenden Frau. Im Reiten und Schießen besser als die meisten Männer, den eigenen Kopf unter jeder Bedingung durchsetzend und kompromißlos und mutig ihren Traum verwirklichend – das alles ist sicher nicht typisch für eine Frau aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts.

Allerdings ist dem Autor die in die Handlung eingebaute Liebesgeschichte zwischen dem griechischen Jäger Anthimos und Margarete Trappe (ob erfunden oder historisch belegt) nicht halb so gut gelungen wie die faszinierenden Schilderungen der ostafrikanischen Landschaft und der Jagdszenen. Sobald es um die zarten Bande zwischen den beiden romantischen Helden geht, wird die Erzählweise pathetisch, an der Grenze zum Kitsch. Es kommt unwahrscheinlich vor, daß sich eine höchst pragmatisch veranlagte, rationell denkende Frau wie Margarete Trappe ihre Ausdrucksweise aus Groschenromanen abgekupfert hat – allerdings gewinnt man bei der Lektüre zeitweilig diesen Eindruck.
„Oh, oh mein geliebter Anthimos!”. So oder ähnlich, mit vielen Wiederholungen und Ausrufezeichen gespickt, lesen sich ihre Dialoge mit und ihre Gedanken über den griechischen Jäger wie ein Gesprächsbeispiel aus der untersten Schublade der Unterhaltungsliteratur.
Ob beabsichtigt oder nicht – diese Lovestory ist die große Schwäche des Romans, so wie überhaupt alles Zwischenmenschliche konstruiert und zum Teil auch oberflächlich wirkt. Wäre der Autor bei der Schilderung der handelnden Personen und ihrer Beziehungen genauso sorgfältig gewesen wie bei der Recherche der historischen Daten und Personen, dann wäre Die weiße Jägerin der perfekte Afrikaroman: unterhaltsam und trotzdem bildend, plastisch geschrieben und sehr spannend. Aber trotz dieser stilistischen Schwächen ist der Roman vor allem eins: ein packender Roman über ein wunderschönes Land und eine faszinierende Frau.

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AfrikaRoman bewertet "Die weiße Jägerin" mit:
  • Sven Rosenow
  • Dagmar Sachse
4

Über den Autor

Sven R.

Sven ist Gründer und Initiator von AfrikaRoman.de, dem Literaturportal über afrikanische Romanliteratur in Deutschland. Wenn es die Zeit erlaubt, schreibt er auch gerne mal Rezensionen für das Literaturportal. Sein Lieblingsautor ist Andrew Brown.

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