Freitag, 03. September 2010




Die weisse Jägerin, Rolf Ackermann - Rezensionen





Kommentare zum Buch von Rolf Ackermann
Die weisse Jägerin
«Die weiße Jägerin»

Verlag: Droemer Knaur
ISBN: 3-426-19681-6
Seiten: 458
Einband: gebunden mit Schutzumschlag
Erschienen: Feb. 2005

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AfrikaRoman-Rezensionen zu
„Die weisse Jägerin” von Rolf Ackermann

Autor: Dagmar Sachse
schrieb am 21. Januar 2oo7



Zwischen Schnulze und Historie

Ostafrika zur Zeit der Kolonisation durch die Deutschen: Vor rund einhundert Jahren kommen Margarete Trappe und ihr Mann Ulrich als Siedler in das Land am Berg Meru und bauen sich eine gut gehende Farm mit einer Rinderzucht, zahlreichen Pferden und Ziegen auf. Besonders Margarete blüht in Afrika auf, entwickelt sich zu einer ausgezeichneten Schützin und wird zu einer Jägerin mit sensationellen Instinkten. Erstaunlicherweise wird sie, dank der Weissagung eines alten Massai-Weisen, durch das kriegerische Eingeborenenvolk beschützt und hat nicht, wie zahlreiche andere deutsche Farmer, unter den Massai-Angriffen zu leiden. In Guerilla-Manier werden die Kinder der Farmer vergiftet, das Vieh getötet und Häuser niedergebrannt, führen sich die Deutschen doch als typische „weiße Eroberer” auf und versuchen, das Land mit der Holzhammer-Methode unter ihre Herrschaft zu bringen.
Margaretes Idylle zerbricht allerdings bald – mit dem Ende des Ersten Weltkrieges wird sie enteignet. Nahezu mittellos beginnt sie nach einiger Zeit, die Farm am Meru mit Hilfe ihrer Freunde unter den Massai wieder aufzubauen. Das Geld hierfür verdient sie sich mit der gefährlichen und illegalen Trophäenjagd für reiche und skrupellose Europäer.

„Die weiße Jägerin” – der Titel klingt, als ob einmal wieder ein Frauenschicksal aufgemöbelt und danach zu einem sich gut verkaufenden Roman verwurstet wird. Doch so ist es nicht! Der Autor verwebt geschickt die historisch relevanten Daten dieser Zeit mit der Biografie einer beeindruckenden Frau. Im Reiten und Schießen besser als die meisten Männer, den eigenen Kopf unter jeder Bedingung durchsetzend und kompromißlos und mutig ihren Traum verwirklichend – das alles ist sicher nicht typisch für eine Frau aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts.

Allerdings ist dem Autor die in die Handlung eingebaute Liebesgeschichte zwischen dem griechischen Jäger Anthimos und Margarete Trappe (ob erfunden oder historisch belegt) nicht halb so gut gelungen wie die faszinierenden Schilderungen der ostafrikanischen Landschaft und der Jagdszenen. Sobald es um die zarten Bande zwischen den beiden romantischen Helden geht, wird die Erzählweise pathetisch, an der Grenze zum Kitsch. Es kommt unwahrscheinlich vor, daß sich eine höchst pragmatisch veranlagte, rationell denkende Frau wie Margarete Trappe ihre Ausdrucksweise aus Groschenromanen abgekupfert hat – allerdings gewinnt man bei der Lektüre zeitweilig diesen Eindruck.
„Oh, oh mein geliebter Anthimos!”. So oder ähnlich, mit vielen Wiederholungen und Ausrufezeichen gespickt, lesen sich ihre Dialoge mit und ihre Gedanken über den griechischen Jäger wie ein Gesprächsbeispiel aus der untersten Schublade der Unterhaltungsliteratur.
Ob beabsichtigt oder nicht – diese Lovestory ist die große Schwäche des Romans, so wie überhaupt alles Zwischenmenschliche konstruiert und zum Teil auch oberflächlich wirkt. Wäre der Autor bei der Schilderung der handelnden Personen und ihrer Beziehungen genauso sorgfältig gewesen wie bei der Recherche der historischen Daten und Personen, dann wäre „Die weiße Jägerin” der perfekte Afrikaroman: unterhaltsam und trotzdem bildend, plastisch geschrieben und sehr spannend. Aber trotz dieser stilistischen Schwächen ist der Roman vor allem eins: ein packender Roman über ein wunderschönes Land und eine faszinierende Frau.

Bewertung: 3 bis 4 afrikanische Kontinente 3 bis 4 afrikanische Kontinente 3 bis 4 afrikanische Kontinente 3 bis 4 afrikanische Kontinente 3 bis 4 afrikanische Kontinente

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Autor: Sven Rosenow
schrieb am 2o. August 2oo5

Weltklasse - Afrikaroman

Das Deutsche Reich zu Kaiser Wilhelms Zeiten. Auch Deutschland versucht ein Stück vom großen Kuchen Afrika abzubekommen...

Die deutsche Außen- und Kolonialpolitik als äußere Rahmenhandlung für die Lebensgeschichte der Margarete Trappe: der Autor Rolf Ackermann zeichnet mit diesem Roman nicht nur ein auf wahre Begebenheiten beruhendes Portrait einer Frau, deren Schicksal die Liebe zu Afrika war, sondern auch die globalpolitischen Veränderungen jener Zeit und gibt nebenbei den historischen Politgrößen ein Gesicht.
So etwa dem deutschen Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck-Schönhausen, der in einem genialen Schachzug eine Expedition deutscher Handelstreibenden als Privatpersonen zusammenstellt, um in Sansibar und Ostafrika - das von den Engländern und Franzosen den militärischen Beistand gegen Angriffe von außen hat - den Landerwerb voranzutreiben und somit ertragreiche Handelsgebiete ans Deutsche Reich zu binden. Im Jahr des Expeditionsantritt 1884 wird in Petersdorf, einem Rittergut in Schlesien, die Protagonistin Margarete Zehe geboren, deren Bruder Alfred die Expedition als Geograf begleitet. Seine Briefe sind es, die in Margarete den Wunsch wecken, ebenfalls dort zu leben.

Ausgestattet mit fundierten Hintergrundinformationen um die Kolonialpolitik Deutschlands, zeigt uns der Autor die Lebensgeschichte der charismatischen Margarete, die 19o7 gemeinsam mit ihrem Mann Ulrich Trappe nach Deutsch-Ostafrika aufbricht, um am Fuße des Kilimandscharo ihren Traum von Afrika Wirklichkeit werden zu lassen.
Aus verschieden Sichtweisen werden dem Leser die Jahre geschildert, in denen Margarete die abenteuerliche Freiheit und atemberaubende Schönheit Afrikas erlebt. Sie gewinnt das Vertrauen der Eingeborenen, die "die weiße Jägerin" unendlich bewundern und ihr den Namen Jeyo, Mutter, geben. Im Gegensatz zu ihrem Mann Ulrich jedoch wächst ihre Leidenschaft für die Jagd und das Land, welche der Autor eindrucksvoll und sprachgewandt beschreibt. Geteilt wird diese Leidenschaft von Anthimos, dem griechischen Freund ihres Bruders, der sie immer häufiger auf der Jagd begleitet. Und so erliegt Margarete endgültig dem Zauber Afrikas. Doch sieben Jahre nach ihrer Ankunft gerät ihr Paradies in die Fänge der Weltpolitik. Die Götter Afrikas greifen erneut in das Schicksal der weißen Jägerin ein.

Ein Weltklasse - Afrikaroman, der so wunderbar erzählt ist, wie es wohl nur jemand kann, der selbst viele Jahre in Ostafrika gelebt hat und der die Schönheit der Natur, die geschichtlichen Zusammenhänge sowie Kultur, Religion und Sprache der Eingeborenen kennt.

Bewertung: 5 afrikanische Kontinente 5 afrikanische Kontinente 5 afrikanische Kontinente 5 afrikanische Kontinente 5 afrikanische Kontinente

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Leserstimmen zu „Die weisse Jägerin” von Rolf Ackermann


Autor: Dieter Baldus
schrieb am 1o. Januar 2oo7

Die weisse Jägerin - Momella in Tansania

Erst Mal danke an die Redaktion dieses Afrikaroman Forums. Habe im ZDF "Afrika, mon amour" gesehen und bin bei den Internetrecherchen auf dieses nette Portal gestoßen. Und auf das Buch "Die weisse Jägerin" (Taschenbuch). Ich habe selbst lange in Afrika gelebt und kann mich kaum mehr mit Lob zurückhalten. Ein wahnwitzig gutes Buch! Da spürt man, dass der Autor Afrika kennt. Das Buch ist eine nahezu perfekte Kombination aus lesbar und spannend aufbereiteter Kolonialgeschichte, dramatisch und einfühlsam erzählte Geschichte eine ungewöhnlichen Frau, Margarate Trappe, und viel "Feeling for Africa". Vor vielen Jahren war ich mal auf der MOMELLA Lodge in Tansania, ahnte damals aber nicht, dass diese Farm mal Margarete Trappe gehörte (und später wohl Hardy Krüger). Wie ich las, gibt es jetzt dort die HATARI LODGE. Und es freut mich auf AfrikaRoman zu lesen, dass "Die weisse Jägerin" jetzt wohl auch vom ZDF verfilmt wird. Bin ja der Meinung, ein solch wunderschön erzähltes Afrikabuch gehört ins Kino. Oder auf die Bestsellerliste.

Bewertung: 5 afrikanische Kontinente 5 afrikanische Kontinente 5 afrikanische Kontinente 5 afrikanische Kontinente 5 afrikanische Kontinente

Vielen Dank an Dieter Baldus
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Autor: Torald F
schrieb am o4. Dezember 2oo6

Es scheint, als habe das Fernsehn Afrika entdeckt. "Afrika mon amour" wird jetzt überall angepriesen. Wenn ich allerdings die Story lese, habe ich das unrühmliche Gefühl, als orientiere sich die Story an dem Buch "Die weisse Jägerin" von Rolf Ackermann. Ein wirklich tolles Buch, über Margarete Trappe, das jetzt glücklicherweise als gestraffte und korrigierte Taschenbuchausgabe vorliegt. Und, was lese ich zu meiner Überraschung? "Die weisse Jägerin" wird vom ZDF als Doku-Drama auch verfilmt. Titel: Momella - eine Farm in Afrika. Nun ja, wir scheinen vor einem Afrika-Hype zu stehen. Und meine "Agenten" aus dem Kino-/Filmgeschäft haben mir geflüstert, dass Ziegler Film Berlin die Kinorechte an dem Buch "Die weisse Jägerin" erworben hat. War ja auch Zeit. Das wird sicherlich der Nachfolger von "Jenseits von Afrika". Ich jedenfalls halte diesen Roman für eines der besten Afrikabücher in den letzten 2o Jahren.
Erstaunlich, dass der Autor nun auch noch so einen tollen Myterie-Thriller wie "Der Fluch des Florentiners" geschrieben hat. Wann der wohl verfilmt wird?

Bewertung: 5 afrikanische Kontinente 5 afrikanische Kontinente 5 afrikanische Kontinente 5 afrikanische Kontinente 5 afrikanische Kontinente

Vielen Dank an Torald F
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Autor: Christina Aslanidou
schrieb am 25. Juni 2oo6

Ich habe mich fast von Beginn an über den Autor geärgert, der eine tolle Lebensgeschichte verhunzt, um auf den Zug "das Geschäft mit Afrika" aufspringen zu können - oder trifft doch eher den Verlag die Schuld?. Ein gut recherchiertes Sachbuch wäre wirklich mehr gewesen! Und diese zahlreichen Druck und Geschichtsfehler: Es ist immer von einer Queen die Rede, dabei waren zu der infrage kommenden Zeit Edward VII., Georg V., Edward VIII. und Georg VI. Könige von England und erst ab 1952 regiert Elisabeth II.! Man sollte besser das Buch von Gerd von Lettow-Vorbeck aus den 50er Jahren überarbeiten und wieder auflegen - das würde ich jetzt gerne lesen!

Bewertung: 1 afrikanischen Kontinent 1 afrikanischen Kontinent 1 afrikanischen Kontinent 1 afrikanischen Kontinent 1 afrikanischen Kontinent

Vielen Dank an Christina Aslanidou
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Autor: Schroeder
schrieb am 19. September 2oo5

nicht mehr als ein zeitvertreib

ich kann in die lobeshymnen nicht einstimmen. die historische person margarete trappe bleibt für mich spannend, die romanfigur ist zweidimensional. ackermann beschreibt sie nur oberflächlich, lässt zu viele und zu lange lücken. ihre motivationen werden zwar benannt, aber einem nicht nahegebracht. der versuch ackermanns, die historischen fakten in die romanhandlung einzubinden, wirken wie mit dem holzhammer gesetzt und albern. besser wäre ein sachlicher exkurs zu den geschichtlichen rahmenbedingungen am anfang eines kapitels gewesen, als zeit darauf zu verschwenden, den historischen persönlichkeiten platz im romangeschehen selbst zu geben. insgesamt ist mir der roman zu oberlehrerhaft was das geschichtliche angeht und ansonsten zu oberflächlich und pathetisch.
mich stört es, wenn z.B. tine, die schwester margaretens, nach jahren der trennung zum ersten mal nach afrika kommt, und vom krieg auf jahre dortbleiben muss - und immer nur in nebensätzen erwähnt wird. ackermann lässt schutztruppler in seinem roman über die politische lage schwätzen, erklärt aber mit keinem wort die beziehung zwischen des schwestern. "musste" die schwester nur in den roman geschrieben werden, damit man den fakten nicht untreu wird?
sicher wird das buch bald verfilmt werden, die story gibt genau das her: liebesgeschichte vor dem herrlichen panorama ostafrikas und dem geschichtlichen panorama des ersten weltgrieges. und kann sich dann auch noch kritisch mit dem kolonialismus auseinandersetzen - volltreffer. als buch aber zu oberflächlich, ein zeitvertreib, mehr nicht. mit tania blixens erinnerungen an afrika überhaupt nicht zu vergleichen. und zu allem überfluss sind in der bertelsmann-ausgabe, die ich gelesen habe, etliche druckfehler, die einem geradezu ins auge springen: gesicht statt gedicht, kutz statt kurz, und dergleichen mehr.

Bewertung: 2 afrikanische Kontinente 2 afrikanische Kontinente 2 afrikanische Kontinente 2 afrikanische Kontinente 2 afrikanische Kontinente

Vielen Dank an den/die Rezensent/-in aus Köln
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Autor: Bea Frank aus Loretto/Österreich
schrieb am 24. März 2oo5

Besser als "Jenseits von Afrika"

Was mich an diesem wunderbaren Buch so maßlos fasziniert, ist, dass es dem Autor, Rolf Ackermann, so perfekt gelungen ist, einerseits die wundervoll einfühlsame und herzergreifende Biografie des Lebens der Deutschen Margarete Trappe in Ostafrika zur deutschen Kolonialzeit zu schreiben, andererseits aber auch - und das unterscheidet dieses Buch von den üblichen Afrika-Frauen-Romanen - dem Leser unaufdringlich in die Romanhandlung eingebunden ein sehr fundiertes historisches Wissen jener Zeit zu vermitteln.
Es muß eine tolle, couragierte und sehr willenstarke Frau gewesen sein, diese Margarete Trappe, die da ab 19o7 am Kilimanjaro ihren Traum von Afrika lebte - und dann auf sehr tragische Weise in die Mühlen der Weltpolitik gerät. Heulen mußte ich bei diesem Buch: mal aus grenzenloser Begeisterung, mal aus Wut. Weil hier eindrucksvoll geschildert wird, wie das Glück eines Menschen von den Machenschaften der Politik zermalmt wird.
Für mich ist es eines der eindrucksvollsten Afrikabücher, die ich je gelesen habe. Und ich bin sehr sicher, daß daraus bald ein Film wird...

Bewertung: 5 afrikanische Kontinente 5 afrikanische Kontinente 5 afrikanische Kontinente 5 afrikanische Kontinente 5 afrikanische Kontinente

Vielen Dank an Bea Frank aus Loretto/Österreich
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