Donnerstag, 14. Dezember 2017


Rezension: Afdraai, Andrew Henry Martin Scholtz





Kommentar zum Buch von Andrew Henry Martin Scholtz
Afdraai
Verlag: Luchterhand Literaturverlag
ISBN: 978-3630870809
Seiten: 265
Einband: gebunden
Erschien: 2000

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Buchrezension von Sven Rosenow
Veröffentlicht am 10. Februar 2006


Ein Dorf in Südafrika

Abel Juries war in dritter Generation Vorarbeiter auf der Farm Brinks Posten. Seine Voreltern, Afrikaner vom Kap, waren vor vielen Jahren auf Empfehlung in den Freistaat gekommen, um das Farmhaus, welches im anglo-burischen Krieg niedergebrannt wurde, wieder aufzubauen. Sein Opa Adam war es auch, der Abel Juries vom einstigen Master Manie und seinem anderem Bruder Metsie van Brink und die Geschichte von einem zerschossenen Kupfereimer erzählte. Diesen Eimer finden Abel und die neuen Missen eines Tages auf dem Erbhof, inmitten dem Krempel aus alten Zeiten, verborgen in einem Schrank. Doch der Eimer ist nicht alles, was der Schrank verborgen hält. In einer der Schubladen entdecken die Drei alte Aufzeichnungen, die noch im Niederländischen verfasst sind. Welche Geheimnisse die maroden Papierfetzen preisgeben, schildert Andrew H. M. Scholtz im anglo-burischen Krieg, mit dem der Autor den Roman beginnt.

Wie bereits in seinem ersten Roman Vatmaar greift der Autor A.H.M. Scholtz auch in diesem Buch eine vertraute Gemeinschaft in einem Dorf (hier heißt es Afdraai) zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts auf und schreibt anhand der Schicksale der Menschen von Brinks Posten vom Leben der "Coloureds". Doch dieses Mal strickt er die Fäden weiter und zieht sie über mehrere Generationen bis in die tief gespaltene südafrikanische Gesellschaft der 1980iger Jahre hinein. Er schreibt über das Leiden burischer Frauen und Kinder in Konzentrationslagern, von der Verzweiflung schwarzer Gefangener und dem Dilemma weißer Frauen und ihrer, nach Bekanntmachung des Unzuchtsgesetzes 1948, ungesetzlichen Ehen.
In seiner gewohnt einfachen Ausdrucksweise gelingt es Scholtz diesmal, eine für seine Verhältnisse wirklich durchstrukturierte Handlung abzuliefern. Auch wenn sich diese etwa in der Mitte des Buches auf ein reihenweises Ableben der Protagonisten reduziert, wird eines ganz klar deutlich: sein unerschöpflicher Optimismus. Er klagt nicht an, er wirft nicht vor auch distanziert er sich nicht - er erzählt (einfach).

In einem wortlaut.de-Interview aus dem Jahre 2000 wurde Scholtz die Frage gestellt, warum er Afdraai geschrieben habe. Er antwortete: „Irgendjemand hat behauptet »hy is nou uitgeskryf« (er ist nun ausgelaugt) - also wollte ich einfach zeigen, dass ich nicht »ausgeschrieben« bin.”.
Mein Fazit: er war es nicht!

Andrew Henry Martin Scholtz: Afdraai

Bewertung: 4 afrikanische Kontinente

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