Sonntag, 22. Oktober 2017


Der ewige Gärtner, John Le Carré | Rezension





Kommentar zum Buch von John Le Carré
Der ewige Gärtner
«Der ewige Gärtner»

Verlag: List Tb.
ISBN: 978-3548605869
Seiten: 557
Einband: broschiert
Erschien: Jan. 2006

bequem online bestellen:


Buchrezension von Dagmar Sachse
Veröffentlicht am 6. Mai 2006


Ein meisterhafter Thriller? Ja.
Ein Afrikaroman? Nein.

John Le Carré ist unbestritten einer der ganz Großen in seinem Fach. Der „Meister des Agentenromans” (Die Zeit), der im Laufe seiner über 5ojährigen Schriftstellerkarriere etwa 20 Bücher veröffentlicht hat, wählte als Schauplatz seines neuen Romans den Schwarzen Kontinent.
Tessa Quayle, die Frau des britischen Diplomaten und Hobbygärtners Justin Quayle, wird am Ufer des kenianischen Turkanasees ermordet aufgefunden. Tessa, zu Lebzeiten Rebellin, Menschenrechtlerin und der Diplomatie des Vereinigten Königreichs so gar nicht passende Querulantin, setzte sich für die Menschen in Kenia ein und war einem Komplott auf der Spur, in das ein großes Pharmaunternehmen sowie die britische und die kenianische Regierung verwickelt waren. Es ging um die verfrühte Freigabe eines von der Herstellerfirma als sensationell gepriesenen Medikaments gegen Tuberkulose. Die ärmsten Menschen Kenias wurden offenbar in Tests als Versuchskaninchen mißbraucht.
Tessas Mann macht sich daran, die Ursachen der Ermordung seiner Frau aufzuklären und folgt mit seinen Nachforschungen ihren Spuren. Je mehr von ihren Erkenntnissen sich auch ihm erschließt, je mehr er ins Dickicht aus Korruption, Machtmißbrauch und Angstverbreitung eindringt, desto mehr gerät er selbst in Gefahr. Und schon bald wird ihm klar, daß er nicht nur dabei ist, Tessas Projekt zu vollenden, sondern auch ganz allmählich erkennt, wer seine Frau zu Lebzeiten wirklich war...

Routiniert, dabei aber durchaus mit einem Blick fürs Zwischenmenschliche, ist John le Carre ein facettenreicher, spannungsgeladener und aufgrund des Themas sehr brisanter Roman gelungen. Allerdings spielt Afrika keine große Rolle darin, es wurde nur als Schauplatz gewählt, weil es thematisch passend war. Mir fehlte beim Lesen die spezielle Leidenschaft, die man spürt, wenn man einen „typischen” Afrikaroman-Autoren wie Deon Meyer oder Alexander McCall Smith liest. Der ewige Gärtner ist, wie Der Schneider von Panama oder Das Rußlandhaus überdurchschnittliche Thrillerkost, diesmal vor afrikanischer Kulisse aber kein Afrikaroman.

Bewertung: 4 afrikanische Kontinente
Druckversion im PDF-Format 
© Literaturportal AfrikaRoman - Afrikaromane im Netz



 
   

   
  
Werde Fan von uns auf Facebook schließen
öffnen