Freitag, 24. Februar 2017


Wie Schilf im Wind - AfrikaRoman-Rezension





Kommentar zum Buch von Caitlin Davies
Wie Schilf im Wind
Verlag: Club Bertelsmann
Buch-Nr: 019877
Seiten: 472
Einband: gebunden Erschien: 2006

Deutsche Erstausgabe

online lieferbar bei:
derClub.de

AfrikaRoman-Rezension zu
„Wie Schilf im Wind” von Caitlin Davies


Autor: Sven Rosenow
schrieb am 14. Juli 2006

Verarbeitung eines zwölf Jahre dauernden Lebensabschnittes in Afrika

„Wie Schilf im Wind”, ein Titel, der einen doch eher an ein großes Familien-/Historienepos mit bildgewaltiger Kulisse, brennender Leidenschaft, Zwietracht, Liebe, Hass und Tod denken lässt als an dass, was den Leser hier erwartet.

Caitlin ist 25 Jahre jung, als sie auf eine Stellenausschreibung des British Council in London reagiert und nach Botswana geht, um dort als Lehrerin in Maun, einem friedlichen Dorf an den Ausläufern des Okawango-Delta, zu arbeiten. Natürlich gibt es da auch einem Mann, der sie bewegt, gerade in das Mutterland Afrikas zu gehen. Ron, der weltoffene und liebenswürdige Informatikstudent, den sie während ihres Studiums in den USA kennen und lieben gelernt hat. Gemeinsam bauen sie sich eine Existenz in seinem Heimatdorf auf, während sich Caitlin seiner traditionsverbundenen Familie und der Setswana-Kultur nähert. Unter dem Himmel Afrikas scheint ihr Glück perfekt, als Heirat und Ruby, ein gemeinsames Kind, ihr die schönsten Jahre ihres Lebens bescheren. Doch das Botswana der 9oiger Jahre erfährt einen dramatischen Wandel, der auch an Caitlin nicht spurlos vorbeigeht…

Ein in der Belletristik schon oft beschriebenes Thema: junge Europäerin geht nach Afrika und verliebt sich in den schwarzen Kontinent, der ihr so viel gibt, aber letztendlich alles nimmt. Stoff, aus dem meist Bestseller wurden und dem sich nun auch Caitlin Davies, Tochter der Schriftstellerin Margaret Forster und des bekannten Beatles-Biographen Hunter Davies, bedient. Doch tut sie das zu einer Zeit, in der man - alleine durch seine Aktualität - hofft, etwas anderem, nicht so überholtem, weltoffenen, toleranten - eben etwas Neuem zu begegnen. Denn auch wenn es in den 198oiger Jahren einen wahren Afrika – Saga – Hype gab, der alte Bilder verfestigt, etwa die romantisch-verklärte Vorstellung von Umarmungen unter tropischem Himmel, verändert und verfielfältigt sich doch im 21. Jahrhundert der Umgang mit dem Thema „Afrika”. Themen wie regionale Traditionen, afrikanische Modernität und das Verschwimmen vormaliger geografischer wie auch ideologischer Grenzen stellen in der Gegenwartsliteratur eine neue Herausforderung dar.

„Ich bin mir nicht ganz sicher, wie ich hierher gekommen bin. Bis vor wenigen Monaten noch habe ich in Maun gelebt, einem Dorf im südlichen Afrika, das sich an den Ausläufern des Okawango-Deltas befindet, eines atemberaubenden Sumpfgebiets inmitten einer Wüste. Maun war mein Zuhause, und damals hätte ich nie gedacht, es je verlassen zu müssen...”

Zunächst läuft alles nach Plan: nachdem sie den Lehrerjob aufgegeben hat, baut Caitlin sich eine Karriere als Journalistin auf. Rons Großfamilie, allen voran seine Großmutter und Familienoberhaupt Madintwa, nehmen sie herzlich und auf traditionelle Art und Weise auf. Als Redakteurin und quasi Teilhaberin des „Okowango Observer” macht die ehrgeizige Caitlin aus dem Blatt die größte lokale Wochenzeitschrift. Dabei übersieht Caitlin, dass sie die Arbeit auffrisst. Die Momente für Freunde oder Familie sind verschwindend gering und das wird ihr zum Verhängnis…
Sie übernimmt die botswanische Staatsbürgerschaft und gibt ihren britischen Pass auf. Kaum ist dieses Prozedere abgeschlossen, muss sie am eigenen Leib erfahren, was es heißt, wie eine Einheimische behandelt zu werden: Offenbare Versuche, sie in ihrer Arbeit als Journalistin einzuschüchtern; die unangenehme Erfahrung, ihr Kind in einem lokalen Krankenhaus zur Welt zu bringen, wo nachts die Küchenschaben über die Wände huschen.
Als dann schließlich noch aus der unausgesprochenen Feindschaft zu ihrer Schwiegermutter Eliah eine Beschneidung, ja Wegnahme ihrer persönlichen Freiheiten wird und die jugendliche Verdrießlichkeit ihrer adoptierten Stieftochter Alice in Boshaftigkeit umschlägt, endet Caitlin endgültig isoliert. Und das zu einem Zeitpunkt, als wirklich schreckliche Ereignisse anstehen.

Auch wenn dieses Buch keinen übergreifenden Spannungsbogen hat, schafft es die Autorin, ein gewisses Interesse am Schicksal ihrer Selbst zu erzeugen. Von Anfang an hat man das Gefühl, dass mal wieder eine kleine Tragödie unter dem Himmel Afrikas hereinbrechen wird. Das der Schauplatz diesmal das Mutterland Afrikas ist, trägt sicher noch dazu bei, doch schafft es die Autorin nicht, den Leser zu überzeugen. Schließlich „spielt” die Geschichte nahezu in der Gegenwart. Das zu dieser Zeit eine europäische Frau ein gewisses Maß an Autonomie fordert, ist verständlich. Doch das uns die Autorin dazu einlädt, den Weg dahin (der eigentlich in völliger Isolation endet) als Kulturkonflikt zu interpretieren, ist fehl am Platz. Überträgt man mal das Ehefrau – Schwiegermutter – oder das Mutter - Stieftochter – Verhältnis auf weniger exotische Regionen, erkennt man, dass sich die Geschichte genauso in Europa abspielen kann.

Nein, etwas Neuem begegnen wir in Davies Debütroman nicht, was widerum den Titel in gewisser Weise passend wirken lässt. Allerdings haben wir es hier „nur” mit einem Erfahrungsbericht zu tun, der weder damals noch heute „großes Lesen” bedeutet.

Bewertung: 2 afrikanische Kontinente

© Literaturportal AfrikaRoman - Afrikaromane im Netz



Leserstimme:

Autor: Regina Marr-Kubel
schrieb am 9. Oktober 2007

Ich habe das Buch in englischer Sprache gelesen und muss sagen, dass es mich doch sehr beeindruckt und auch überzeugt hat. Ich selbst lebe in Südafrika und fand, dass gerade die Wandlung der letzten Jahre sehr gut und nachfühlbar beschrieben wird. Ich sehe aber doch in dem Buch auch einen Konflikt der Kulturen, denn diese Dinge, die dort passieren, erleben wir auch hier. Ich muss dazu erwähen, dass ich selbst Erfahrungen in dieser Richtung habe. Mein Sohn ist mit einer wunderbaren schwarzen Frau zusammen, mit der wir über die Familientraditionen und Probleme offen reden können. Wichtig ist nur, diese Probleme zu verstehen und anzupacken. Sonst wird man nicht glücklich in Afrika. Ich kann diese Liebe und das "Zwischen den Kontinenten-Leben" so sehr nachvollziehen. Das wird immer so bleiben, wenn man einmal in Afrika gelebt hat. Ich fand das Buch sehr informativ und auch sehr traurig.

Bewertung: 5 afrikanische Kontinente

© Literaturportal AfrikaRoman - Afrikaromane im Netz


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