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Tsotsi, Athol Fugard | AfrikaRoman-Rezension
Kommentar zum Buch von Athol Fugard
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«Tsotsi»
Verlag: Diogenes
ISBN: 3-257-23565-8
Seiten: 336
Einband: broschiert
Erschienen: April 2006
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AfrikaRoman-Rezension zu
„Tsotsi” von Athol Fugard
Autor: Dagmar Sachse
schrieb am 17. Juni 2oo7
Ein Plädoyer für Menschlichkeit
Tsotsi – das aus einem südafrikanischen Dialekt stammende Wort bedeutet soviel wie schwarzer Gangster oder Gangmitglied. Und genau das ist die gleichnamige Hauptperson in Athol Fugards Roman. In den Tag hineinlebend, gleichgültig gegenüber seiner Umwelt und völlig emotionslos verbringen Tsotsi und seine Bande ihr Leben damit, zu rauben, zu stehlen und zu morden - für Geld, etwas zu essen oder einfach nur aus Langeweile.
Aber Tsotsis Leben erfährt eine abrupte Veränderung, als ihm auf einem seinem Raubzüge zufällig ein Baby in die Hände fällt. Der neu geborene, von seiner Mutter verlassene Säugling erfüllt den jungen Gangster zuerst nur mit Widerwillen. Aber allmählich erinnert sich Tsotsi an seine eigene Kindheit. Bisher erfolgreich Verdrängtes wie die Bilder seiner Mutter oder seines Zuhauses lassen sich nicht mehr wegschieben und zwingen ihn zum Nachdenken. Der wortkarge, gefühllose Mann übernimmt Verantwortung für das Baby, kümmert sich um Nahrung und Obdach für den kleinen Menschen. Und je mehr er in seine Aufgabe hineinwächst, umso mehr verändert sich sein Charakter und sein Lebensrhythmus. Wo er früher auf Raubzügen unterwegs war, beschafft er jetzt die so dringend benötigte Milch für den Säugling. Zeiten, in denen er mit seinen Kumpanen abhing, verbringt er jetzt mit dem Kind und auf der Suche nach seinem eigenen Platz im Leben. Erstmals denkt Tsotsi über sich selbst nach und darüber, wovor er wegläuft. Mit den Erinnerungen an seine Vergangenheit kommt auch der Willen, seinen Alltag, ja seine ganze Lebenswelt grundlegend zu verändern. Doch das Schicksal hat anderes mit ihm vor...
Menschlichkeit triumphiert über Gewalt und Gleichgültigkeit, das Gute siegt über das Böse - dem Autor gelingt es, dies vollkommen kitschfrei darzustellen. Die innere Zerrissenheit seiner Hauptfigur, dessen trostloser Alltag und die allmähliche Veränderung darin, alles wird schnörkellos und in teilweise drastischen Worten geschildert. Vor allem ist „Tsotsi” ein Buch über die Kraft des Mitgefühls und die Überwindung von Haß und Gewalt, auch wenn es aussichtslos erscheint.
Ein packend geschriebener Psycho-Thriller, der den Leser noch lange nach der letzten Seite gefangenhält. Trostlos und gerade deshalb Hoffnung gebend.
Ein Weltklasse – Roman über das Gute in jedem Menschen, dessen Verfilmung 2oo6 den Oscar als Bester Ausländischer Film erhielt.
Bewertung:
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