Sonntag, 28. Mai 2017


Der gute Doktor, Damon Galgut - AfrikaRoman-Rezension





Kommentar zum Buch von Damon Galgut
Der gute Doktor
Verlag: Goldmann
ISBN: 3-442-46308-4
Seiten: 280
Einband: broschiert
Erschienen: November 2006

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Buchrezension von Dagmar Sachse
Veröffentlicht am 16. August 2007


Von der Langeweile zur Katastrophe – ein anderer „Arztroman”

Frank Eloff ist nicht mehr der Jüngste. Ein illusionsloser Mediziner, der in einem heruntergekommenen, fast verlassenen Krankenhaus in einem der ehemaligen südafrikanischen Homelands ein ereignisloses Dasein fristet. Einzig die Affäre mit einer jungen Schwarzen aus dem nahe gelegenen Ort bringt Abwechslung in sein Leben.
Doch eines Tages taucht ein junger Arzt auf, der während seines sozialen Jahres in der wenig frequentierten Klinik wild entschlossen ist, "frischen Wind" hereinzubringen. Jung, voller Ideale und naiv an das Gute im Menschen und die Gerechtigkeit des Lebens glaubend, ist er das ganze Gegenteil von Frank.

Location und Protagonist erinnern stark an Graham Greenes „Ein ausgebrannter Fall”, auch der melancholische Grundton ist bei beiden Romanen deutlich hörbar.
Doch wo Greene erzählt, skizziert Galgut nur. Durch die (wahrscheinlich gewollte) Dichte und Komplexität der Handlung wird vieles, was nähere Betrachtung verdient, nur angedeutet, Charaktere bleiben blass, die Handlung oftmals an der Oberfläche und die Hintergründe im Dunkeln. Eventuell erschließt sich dem Leser das Buch beim zweiten, dritten oder vierten Mal, doch nach dem ersten Lesen bleibt nur ein undeutlicher, verwischter Eindruck zurück.

Großartig ist Damon Galgut die psychologische Zeichnung der Hauptfigur Frank Eloff und dessen Generations- und charakterlicher Konflikt mit dem jungen, idealistischen Laurence Waters gelungen. Die Tristesse des Krankenhausalltages, Franks Unschlüssigkeit und Schwäche in vielen Situationen, die Gleichgültigkeit gegenüber seiner Umwelt – all dies ist glaubwürdig und überzeugend geschildert.

Für den Rest des Romans gilt leider: weniger ist manchmal mehr. Hätte der Autor seine Handlung etwas abgespeckt und die Zahl seiner Protagonisten verkleinert, würde „Der gute Doktor” wahrscheinlich nachhaltiger im Gedächtnis bleiben.

Bewertung: 3 afrikanische Kontinente

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