Mittwoch, 29. März 2017


Berichte aus dem Morgengrauen - AfrikaRoman-Rezension





Kommentar zum Buch von Rainer Grajek
Berichte aus dem Morgengrauen
Verlag: Bücherwerkstatt
ISBN: 3-938294-06-X
Seiten: 286
Einband: Taschenbuch
Erschien: Okt. 2005

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AfrikaRoman-Rezension zu
„Berichte aus dem Morgengrauen - Als Entwicklungshelfer der DDR in Mosambik” von Rainer Grajek


Autor: Dagmar Sachse
schrieb am 27. November 2006

Klassenkampf auf afrikanisch: als ostdeutscher Entwicklungshelfer in Mosambik

Die über 30jährigen Bewohner Deutschlands, die im Osten der Republik aufwuchsen, können sich sicher noch an die dunkelhäutigen „Gastarbeiter” aus Mosambik erinnern, die in vielen Städten der damaligen DDR lebten und arbeiteten. Sie blieben in der Erinnerung verhaftet, weil der „verriegelte Staat” seine Bewohner nicht hinausließ und, trotz vieler Sehenswürdigkeiten, viel seltener von ausländischen Touristen besucht wurde als der Westen Deutschlands. Deshalb waren die dunkelhäutigen Mosambikaner auffällig, exotisch wegen ihres Teints, ihrer Sprache und ihrer offensichtlichen Zugehörigkeit zu einem Kontinent, den der normale DDR Bürger nie zu Gesicht bekam.
Aber warum arbeiteten die Mosambikaner ausgerechnet in der DDR? Wie sah die Zusammenarbeit des Sowjet-Trabanten mit dem Drittweltland aus? Das beleuchtet Rainer Grajek in seinem Buch „Berichte aus dem Morgengrauen” aus der Sichte eines Pädagogen. Und er muß es wissen, lebte und arbeitete er doch von 1981 bis 1986 in Maputo, als Berater der mosambikanischen Erziehungsministeriums.

Die Originalfassung des Buches verfaßte der Autor in den 198oer Jahren, 1988 wurde ihm vom DDR Regime die Veröffentlichung untersagt. Zwanzig Jahre später, die Deutsche Demokratische Republik war Geschichte, startete er einen neuen und diesmal erfolgreichen Versuch, seine Mischung aus Reportage und Erzählung zu veröffentlichen. Allerdings blieb die Originalfassung des Buches unverändert, nur ein Prolog sowie ein vierundzwanzigseitiges Abschlußkapitel über das Mosambik von heute wurden angefügt. Das macht das vom Thema her durchaus interessante Werk schwer zu lesen. Wem bei Vokabeln wie „Klassenkampf”, „Proletariat”, „Imperialisten” und „Marxismus” unschöne Erinnerungen an ein despotisches Regime aufstoßen, der sollte sich die Lektüre sparen, ist „Berichte aus dem Morgengrauen” in seiner Wortwahl doch sehr sozialistisch / kommunistisch eingefärbt. Sicher sind diese Formulierungen den damaligen Machthabern in der DDR geschuldet, doch heute einfach nicht mehr passend und, gerade für westdeutsche Leser, zum Teil unverständlich. Der Autor begründet diese Form der Darstellung mit der „Sicherung der Authenzität” des Buches, doch wirkt so das gesamte Werk wie ein Lehrbuch mit dem Titel „Wie trage ich den real existierenden Sozialismus nach Afrika?” ein Experiment, das scheiterte, und nicht nur auf dem Schwarzen Kontinent.

Andererseits sind die Schilderungen des alltäglichen Lebens in Mosambik, die Traditionen der verschiedenen Volksgruppen und der schwierige Gang in die Unabhängigkeit authentisch, wenn auch manchmal etwas trocken geschildert. Das macht „Berichte aus dem Morgengrauen” zu einem wichtigen zeitgenössischen Buch über das südostafrikanische Land und seine Geschichte.

Bewertung: 2 afrikanische Kontinente

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