Mittwoch, 26. Juli 2017


Der Himmel über Maralal - AfrikaRoman-Rezension





Kommentar zum Buch von Frau Hachfeld-Tapukai
Der Himmel über Maralal
Verlag: Lübbe
ISBN: 978-3431038026
Seiten: 384
Einband: gebunden
Erschien: Oktober 2009

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Buchrezension von Dagmar Sachse
Veröffentlicht am 15. März 2010


Nach dem Erfolg ihres Bestsellers „Mit der Liebe einer Löwin” war die Fortsetzung des Erfolgsromans nur noch eine Frage der Zeit. „Der Himmel über Maralal” schildert Frau Hachfelds Leben und ihren Alltag als Frau eines Samburu im wilden Norden Kenias.

Mittlerweile 5 Jahre nach dem Erscheinen ihres ersten Buches hat sich im Leben der Autorin viel getan. Ihr Blockhaus ist wieder eingerichtet, ein Zaun umgibt ihr Grundstück und ihre kenianischen Ziehkinder besuchen die Schule. Der Alltag allerdings ist der gleiche geblieben: Christina kümmert sich um Haus und Vieh und fährt immer wieder nach Mombasa, um mit Konzerten in den Hotels an der Küste Geld für sich, ihren Mann und die große Familie zu verdienen. Dies wird erst recht notwendig, als Lpetati erkrankt und der Langzeit-Aufenthalt in einem Sanatorium nötig wird.

Das Frau Hachfeld älter und auch ein wenig wunderlicher geworden ist, spürt man vor allem zu Beginn des Buches: die vielen Einfügungen in Suaheli machen das Lesen zum Teil sehr anstrengend. Auch das „Dozieren” über das Verhältnis zwischen Einheimischen und Touristen und die herablassende Nachsichtigkeit, mit der die Autorin über die Besucher aus Europa und Amerika spricht, trüben den Lesespaß beträchtlich. Sie würdigt die Spendenbereitschaft mancher Touristen als Unkenntnis herab, obwohl diese doch nur helfen wollen, genau wie sie. Dabei ist ihre Situation ähnlich: sie darf nach einem Aufenthalt in Mombasa oder Maralal keinesfalls ohne Geschenke nach Hause zurückkehren. „Für mindestens 10 Haushalte musste...eingekauft werden”, wie sie selbst schreibt. Warum also dieses Herabschauen auf die Hilfsbereitschaft ihrer europäischen Landsleute? Sie wird geliebt in ihrem Dorf, sicher...aber auch, weil sie Saatgut, Lebensmittel, Stoffe und anderes einkauft, was die Dorfbewohner und ihre Familie sich allein niemals leisten könnten.

Was sich im ersten Teil schon andeutete, wird in „Der Himmel über Maralal” noch deutlicher: von einer gleichberechtigten Partnerschaft zwischen ihr und ihrem Mann Lpetati kann nicht die Rede sein. Da ist diese starke, selbständige Frau, die ihre Bedürfnisse völlig hinten anstellt und ihr Leben total auf ihren Partner ausrichtet - aus Liebe oder zumindest aus einem Gefühl heraus, dass sie für Liebe hält. Für den Leser ist zum Teil nur schwer nachvollziehbar, wie die Autorin damit leben und akzeptieren kann, das beispielsweise eine ihrer Ziehtöchter ohne ihr Wissen beschnitten wird - ein grausamer, durch nichts zu rechtfertigender Eingriff, gegen den Frau Hachfeld eigentlich kämpft - es letztlich aber doch stillschweigend toleriert, daß das ihr anvertraute Mädchen derart verstümmelt wird.
Auch das die Familie, ja das ganze Dorf wie selbstverständlich über ihr hart verdientes Geld verfügt, nimmt sie hin - was bleibt auch anderes übrig? Wenn sie ihre Leben im kenianischen Hochland weiterführen will, muss sie sich auf die afrikanische „Nehmer”-Mentalität einstellen.

Das sie Kenia, die Natur und das Leben dort liebt, ist wahrscheinlich der eigentliche Grund für ihren Alltag, der aus Kompromissen und Sich-Zurücknehmen besteht. Die Liebe zum Land spürt man in ihren eindrucksvollen, plastischen Schilderungen der Umgebung. Man sieht, hört und riecht mit Christina, wenn sie in ihrer selbst gewählten afrikanischen Heimat unterwegs ist. Und das ist es auch, was „Der Himmel über Maralal” trotzdem zu einem lesenswerten Buch macht, auch wenn die menschlichen Beweggründe zum Teil nicht verständlich sind: Frau Hachfelds Liebe zu Afrika, die zwischen jeder Zeile zu spüren ist.

Bewertung: 3 afrikanische Kontinente


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