Sonntag, 28. Mai 2017


Rezension: Verheißene Erde (James Albert Michener)




Kommentar zum Buch von James A. Michener
Verheißene Erde
Verlag: Droemer Knaur
ISBN: 978-3426011775
Seiten: 1056
Einband: broschiert
Erschien: 1984

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Buchrezension von Dagmar Sachse
Veröffentlicht am 25. Januar 2013


500 Jahre Südafrika in einem Buch? Das kann nur ein James-Michener-Roman sein.
Der US-amerikanische Autor hat schon etliche historische Mammutbücher verfasst, angesiedelt auf allen Erdteilen unserer Welt. Immer gründlich recherchiert und mit vielen historischen Details gespickt, ist ein «Michener» sowohl Geschichtslehrbuch als auch Unterhaltungsliteratur.
In „Verheißene Erde” wählt der Autor Südafrika als Schauplatz. Er beginnt 13.000 v. Chr., macht im zweiten Kapitel einen Sprung ins 15. Jahrhundert und wendet sich danach der Entwicklung Südafrikas seit der Gründung Kapstadts 1652 zu.
Die allmähliche Inbesitznahme des Landes durch französische und holländische Einwanderer ist Teil des Romans, aber auch die britische Invasion und der Burenkrieg, die Grenzkonflikte zwischen Weißen und Afrikanern und schließlich der Aufbau der Apartheid-Regierung. Der Autor erschuf für die Schilderung all dies drei ganz unterschiedliche Familien, deren Mitglieder die Protagonisten des Romans bilden: die holländischen van Doorns, die englischen Saltwoods und die Xhosa-Familie Nxumalo.

So weit, so ausführlich. „Verheißene Erde”, das bedeutet über 1000 Seiten Lesestoff. Da bleiben einige Längen unvermeidlich. Besonders durch den Anfang muss sich der Leser kämpfen, denn auf die Rolle der Niederländischen Ostindien-Kompanie wird sehr ausführlich eingegangen, genauso wie auf die Hugenottenverfolgung in Frankreich und die daraus resultierende Einwanderung französischer Siedler. Doch diese Längen sind, da durchaus unterhaltsam geschrieben, verzeihlich.
Als mehr als störend empfand ich, dass wesentliche Teile der südafrikanischen Geschichte schlicht weggelassen wurden. Wie kann ein Roman, der den Anspruch für sich erhebt, die Geschichte Südafrikas zu erzählen, sich nur auf die Eroberer beschränken? Die Hauptdarsteller sind fast ausschließlich eingewanderte Europäer. Sicher: Chaka Zulu werden einige Kapitel gewidmet, in denen er als despotischer und blutrünstiger König dargestellt wird.
Auch von den „Hottentotten” ist anfangs viel die Rede. Wer sich die Mühe macht, findet schnell die Information, dass die Bezeichnung „Hottentotte” ein von den Buren verwendeter, herabsetzender Sammelbegriff für die südafrikanische Völkerfamilie der Khoi Khoi ist. Heute ist die Bezeichnung Hottenhotte schwer beleidigend.
Mag sein, das der Autor sie verwendet hat, um dem Buch Authenzität zu verleihen, eine Erklärung an anderer Stelle wäre aber wünschenswert gewesen.
Wenn Afrikaner eine Rolle in „Verheißene Erde” spielen, dann doch überwiegend als Diener der Weißen, in einer Nebenrolle verharrend.
Spätestens mit der Regierungsübernahme der burischen Minderheit und dem Beginn der Apartheid erzählt der Roman nur noch die Geschichte der weißen Einwohner. Der African National Congress (ANC) und sein bewaffneter Flügel, die Umkhonto we Sizwe? Existieren in Micheners Südafrika nicht. Oliver Tambo, Nelson Mandela, Albert Luthuli? Nie erwähnt. Diese Ignoranz, das Weglassen so relevanter historischer Ereignisse wie der afrikanischen Widerstandsbewegung bei einem so sorgfältig recherchierenden Autor wie James A. Michener hinterlässt beim Lesen einen unguten Beigeschmack, denn man kommt nicht umhin, Rückschlüsse auf die persönliche Einstellung des Autors zu ziehen.
So bleibt „Verheißene Erde” ein zwar farbenprächtiger und breit gefächerter, aber doch unvollständiger Roman über ein wunderschönes Land.

Bewertung: 3 afrikanische Kontinente
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