Montag, 24. April 2017


Hundezeiten, Patrice Nganang - Rezension





Kommentar zum Buch von Patrice Nganang
Hundezeiten
Verlag: Hammer
ISBN: 978-3872949400
Seiten: 292
Einband: gebunden
Erschien: Sept. 2003

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Buchrezension von Sven Rosenow
Veröffentlicht am 2. November 2005


Gleich vorne weg, hier haben wir einen richtigen Leckerbissen!

Mit Kopf, Komik und Können wird hier der Alltag in einem Armenviertel in Kameruns Hauptstadt Yaoundé beschrieben. Das Besondere an diesem Buch ist, dass dies aus der Sichtweise eines denkenden Hundes geschieht, der beschließt, das Rätsel der menschlichen Natur zu lösen.

Hilfreich sind ihm dabei philosophische Eidechsen, ein liebestoller Hahn, der ohnmächtig mit ansehen muß, wie seine Angebetete von einem Auto überfahren wird, eine Frau mit drei Geschlechtsorganen, davon zwei männlichen, aber vor allem die Perspektive, wie er, der Hund, die Welt sieht. Von unten her beobachtet er die Menschen und erfasst sie so, in dem Moment, in dem sie sich von ihrer Menschlichkeit verabschieden. Doch Kamerun wäre nicht Kamerun, wenn die eigentliche Realität nicht "stillschweigend ausdiskutiert" würde. Zu sehr ist der einfache Mensch damit beschäftigt, seine Aktivitäten auf das Wesentliche zu beschränken - anscheinend immer nur auf einem Sprung in der Kneipe, sein Leben mit Alkohol ertränkend und dieses durch Sex erweiternd.

Jene Alltagsprobleme, gepaart mit Erfindungsreichtum, Witz und eine schier unerschöpfliche Lebensfreude der Kameruner sind ebenso Thema wie wirtschaftlicher Niedergang und die Ängste und Hemmungen der Menschen, selbst etwas an ihrem Schicksal zu ändern, der Korruption der Elite der sogenannten Demokratie entgegenzutreten.

Mit den Elendsviertel als erfindungsreiche Schmiede des Menschen, versucht der Autor aus Kamerun die Geschichte des alltäglichen Lebens zu erfassen und den Gang der Geschichte in die Hände ihrer wirklichen Helden zurückzulegen.
Doch das wahre Kunststück, welches Patrice Nganang mit Hundezeiten gelungen ist: dem Leser immer wieder bewusst zu machen, dass es ein Hund ist, der hier erzählt, ohne das es einem gegenwärtig ist. Dieser Blickwinkel ist es, der das Buch so lesenswert macht.
Ein Kompliment an die Übersetzer, Gudrun und Otto Honke, die den Roman aus dem Französischen übertrugen, muss an dieser Stelle auch fallen. Sie tragen dazu bei, den deutschen Lesern den unglaublich abwechslungsreichen und intelligenten Wortschatz Patrice Nganangs erfahren zu lassen. Es ist der erste Roman des kamerunischen Autoren, der ins Deutsche übersetzt wurde.

Bewertung: 4 afrikanische Kontinente
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