Sonntag, 28. Mai 2017


Balthasars Vermächtnis - AfrikaRoman-Rezension




Kommentar zum Buch von Charlotte Otter
Balthasars Vermächtnis
Verlag: Argument
ISBN: 978-3867542142
Seiten: 256
Einband: Taschenbuch
Erschien: 2013

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Buchrezension von Dagmar Sachse
Veröffentlicht am 19. November 2013


„Ich will, dass Sie der Sache nachgehen.” Diese Worte hallen der Pietermaritzburger Kriminalreporterin Magdalena Cloete noch im Ohr, als sie zum Schauplatz des Mordes an Balthasar Meiring kommt. Der Mann, der sie in seinem Anruf vergeblich bat, einen laufenden Gerichtsprozess zu verfolgen, bei dem es um Geschäfte mit wirkungslosen AIDS-Arzneien geht, ist tot. Erschossen, mitten auf der Straße.

Und Magdalena hat das dumpfe Gefühl, zu spät zu kommen. Sie wimmelte Balthasar ab, hatte kein Interesse an einem anscheinend langweiligen Fall von Arzneienschwindel. Umso mehr kniet sie sich nun in die Arbeit, recherchiert Hintergründe des Mordfalls und gräbt in der Vergangenheit des Opfers. Je weiter sie bei ihren Ermittlungen kommt, umso mehr wird klar: es geht um viel mehr als nur um einen simplen Raubmord, zu dem die Polizei in Pietermaritzburg den gewaltsamen Tod Meirings abstempelt. Es geht um eine Familie, die in der Vergangenheit lebt, um die Ignoranz der südafrikanischen Politik beim Thema HIV/AIDS und um skrupellose Geschäftemacherei mit Leid, Unwissenheit und Aberglaube. Magdalena vergisst alle professionellen Grenzen ihres Berufes und steckt schon bald bis zum Hals in Schwierigkeiten.

Balthasars Vermächtnis ist der Debütroman der Autorin Charlotte Otter, die früher selbst als Kriminalreporterin gearbeitet hat. Das Thema ist brisant und gut umgesetzt, doch leider kranken die Protagonisten dann und wann an Unglaubwürdigkeit. Die allzu taffe, aber gleichzeitig mit wenig Selbstbewusstsein ausgestattete Hauptheldin des Romans nervt teilweise durch immer wieder an ihr nagende Selbstzweifel. Auch ihr Kleinkrieg mit der Kulturredakteurin Sally-Anne ist ein überflüssiger Nebenschauplatz, der dem Handlungsfluss nicht gut tut. Die Love-Story zwischen Magdalena und einem Jugendfreund des Opfers bleibt oberflächlich, die Konflikte mit ihrem Chefredakteur unlogisch. Positiv ist die Umsetzung eines Themas zu erwähnen, dass viele Menschen in Europa nur noch am Rande berührt: AIDS. In Afrika hat die Erkrankung dramatische Auswirkungen und fehlende Medikamente tun ihr Übriges.

An vielen Stellen spannend, lässt Balthasars Vermächtnis leider beim Lesen auch oft mit hochgezogenen Brauen und rollenden Augen innehalten. Ein wenig mehr Konzentration aufs Wesentliche hätte dem Roman gut getan.

Bewertung: 3 afrikanische Kontinente
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