Mittwoch, 26. April 2017


Der Bauch des Ozeans, Fatou Diome - Rezension




Kommentar zum Buch von Fatou Diome
Der Bauch des Ozeans
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3257235210
Seiten: 273
Einband: Taschenbuch
Erschien: Jan. 2006

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Buchrezension von Dagmar Sachse
Veröffentlicht am 21. August 2013


Niodor, eine kleine senegalesische Insel. Idylle und Armut, Hitze und Hunger, Traditionen und Rückständigkeit.
Madicke, ein Junge, der davon träumt, in Europa Fußball zu spielen, wohnt dort, will aber nur eins: weg, lieber heute als morgen. Seine Schwester Salie, seit einigen Jahren schon in Frankreich, soll ihm helfen. Er glaubt die Geschichten nicht, die ihm der Dorflehrer und die große Schwester erzählen: das in Frankreich die Schwarzen die miesen Jobs erledigen, in Bruchbuden oder unter Brücken hausen, am Rande der Gesellschaft dahinvegetieren, geduldet, aber nicht gemocht. Und das nur die wenigsten Einwanderer es schaffen, ihren Traum vom Wohlstand zu erfüllen.

Denn schließlich gibt es Rückkehrer im Dorf, die ganz anderes zu berichten wissen: das man in Europa Geld fürs Nichtstun bekommt, jede Mahlzeit ein Festmahl ist und das Geld praktisch auf der Straße liegt. Und zum Beweis das ganze Dorf zum Essen einladen und großzügig Geschenke verteilen. Täten Sie es nicht, wäre das ein Eingeständnis des eigenen Versagens - doch das will Madicke nicht wahrhaben. Und auf seine Frage „Wenn Du es besser findest, sich zu Hause durchzuschlagen, warum kommst Du dann nicht selbst zurück?” kann und will Salie ihm nicht antworten.

Frankreich, die ehemalige Kolonialmacht, ist immer noch das große Vorbild, das paradiesische "Gelobte Land". Das Leben dort ist bunter, leichter - einfach besser. Auch der Fußball. France reimt sich auf Chance. Doch dann kommt die WM 2004, Außenseiter Senegal schlägt die Equipe Tricolore und schafft es ins Viertelfinale.

Wird Madicke, der große Fußballfan, seine Meinung ändern?

Der Bauch des Ozeans” ist ein Roman, der in zwei Welten spielt, die unterschiedlicher kaum sein könnten: im Senegal und in Frankreich. Vom Leben im Dorf auf Niodor wird genauso anschaulich erzählt wie vom Überleben als Immigrant in Europa. Diese Erzählperspektive ist sehr reizvoll, doch leider bleiben die Protagonisten teilweise ohne Persönlichkeit, die Erzählweise zu flach und manchmal etwas zu langatmig.

Fazit: Story: sehr gut, Stil: befriedigend. Aber aufgrund der originellen Geschichte ist „Der Bauch des Ozeans” insgesamt ein gut und flüssig zu lesender Roman.


Bewertung: 3 afrikanische Kontinente



 
   

   
  
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