Mittwoch, 29. März 2017


Ein Kind Afrikas, Ilona Maria Hilliges - AfrikaRoman-Rezension





Kommentar zum Buch von Ilona Maria Hilliges
Ein Kind Afrikas
Verlag: Wunderlich
ISBN: 978-3805208642
Seiten: 432
Einband: gebunden
Erschien: März 2009

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Buchrezension von Dagmar Sachse
Veröffentlicht am 20. April 2009


Amelie von Freyer, die junge deutsche Ärztin aus I.M. Hilliges Vorgängerroman Sterne über Afrika, ist nach Hause zurückgekehrt. Zuhause - das ist Salama, ein Farm in den Usambara-Bergen im Norden von Deutsch-Ostafrika. Doch auf Salama herrscht alles andere als Harmonie: Amelies Bruder Hanns und ihr Vater tragen einen Streit aus, in dem auch Amelie Stellung beziehen muß: Hanns liebt Sara, eine Einheimische, mit der er eine gemeinsame Tochter hat. Dies verstößt gegen die Wert- und Moralvorstellungen seines Vaters, der Sara für nicht standesgemäß hält - keine ungewöhnliche Einstellung zu Beginn des vorigen Jahrhunderts. Als Hanns verkündet, dass er Sara heiraten möchte, droht ihm der Vater die Enterbung an und Amelie muß sich entscheiden: zwischen dem bewunderten Vater, dem sie in Dankbarkeit verbunden ist und dem Bruder, den sie liebt. Doch dies ist nicht der einzige Konflikt, den Amelie auszufechten hat: auch andere deutsche Siedler sind gegen die Verbindung und machen den von Freyers das Leben schwer. Die Konventionen und Zwänge, denen Amelie in Deutschland entkommen wollte, holen sie in Ostafrika unerbittlich ein. Überdies ist Saras und Hanns’ Tochter Lotte einem Schlangenkult geweiht, der von Amelie und ihrem Bruder zunächst nicht ernst genommen wird. Zur Katastrophe aber kommt es, als Amelies Lebenstraum, ihr Urwaldhospital, durch Brandstiftung in Flammen aufgeht.

Der Autorin ist mit „Ein Kind Afrikas” eine gelungene Mischung aus historischen Roman, Liebesgeschichte und Ethno-Erzählung gelungen. Geschickt und mit Sachkenntnis erzählt Frau Hilliges die Geschichte Amelies, einer starken Frau, die in der Kolonie Deutsch-Ostafrika im Reich Kaiser Wilhelms lebt. Als eine der ersten Frauen, die sich "Ärztin" nennen darf, mit ihrer emotionalen, ungestümen Art und dem Aufbau eines Urwaldhospitals für Einheimische macht sich Amelie nicht nur Freunde. Ihr Charakter wird differenziert dargestellt, die Konflikte glaubhaft geschildert. Die Schönheit Afrikas, seine Mythen und Legenden und die alten Bräuche der Einheimischen verbindet die Autorin geschickt mit den Begebenheiten im Deutschen Reich, dem technischen Fortschritt und der Deutschtümelei bei der Kolonialisierung, wo Spitzendeckchen und Meißener Porzellan auf uralte Heilmethoden und heidnische Riten treffen. Die Darstellung des Berliner Arbeitermilieus ist genauso stimmig wie die Schilderung der afrikanischen Kultur. „Ein Kind Afrikas” berührt, ohne jemals ins Kitschige abzugleiten. Auch der Schutzumschlag sollte nicht vom Lesen abhalten: die Darstellung des naiven Blondchens vor afrikanischer Kulisse ist unglücklich gewählt und entspricht keinesfalls dem Bild, dass man beim Lesen von der Protagonistin bekommt.

Bewertung: 5 afrikanische Kontinente

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