Dienstag, 22. August 2017


Lass die Toten ruhen, Malla Nunn - AfrikaRoman-Rezension





Kommentar zum Buch von Malla Nunn
Lass die Toten ruhen
Verlag: Rütten & Loening
ISBN: 978-3352008009
Seiten: 400
Einband: gebunden
Erschien: April 2011

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Buchrezension von Dagmar Sachse
Veröffentlicht am 15. August 2011


Emmanuel Cooper, der Protagonist aus Malla Nunns Debüt „Ein schöner Ort zu sterben”, ist seinen Polizeiausweis aufgrund seines letzten Falles los. Statt Polizeiarbeit leistet er nun Knochenarbeit in den Docks von Durban.
In den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ist die Stadt am Indischen Ozean, wie der Rest Südafrikas, eine Stadt mit klarer Rassentrennung. Als Cooper einen weißen Jungen mit durchschnittener Kehle in den Docks findet und kurz darauf seine Vermieterin grausam ermordet wird, wird er von der Security Branch, dem berüchtigten Geheimdienst, verhaftet. Doch Major van Niekerk, sein früherer Boss bei der Polizei, und ein unbekannter Gönner verschaffen ihm 48 Stunden Zeit, in denen er die wahren Schuldigen der Taten finden und sich entlasten soll... .

Nein, neu ist der Handlungsaufbau von „Lass die Toten ruhen” tatsächlich nicht. Man hat das so oder ähnlich schon öfter gelesen, die handelnden Personen findet man in vielen Krimis: da ist der hartgesottene, aber nicht kleinzukriegende Held der Story, meist mit angeknackster Psyche, schwieriger Vergangenheit und wenigen Freunden. Der Underdog, den man automatisch sympathisch findet. Außerdem noch jede Menge Kleinkriminelle plus Verbrecherkönig in protziger Limousine, die geheimnisvolle Schöne sowie mehrere korrupte Polizisten.
So weit, so gewöhnlich. Doch Malla Nunn schafft es, ihren Zweitwerk Originalität zu verleihen, in dem sie mit einer Urangst des Menschen spielt: was passiert, wenn uns von einem Tag auf den anderen die Existenz genommen wird? Genau das passiert Emmanuel Cooper. In seinem Fall ist es der "Rassenachweis", im Südafrika der Apartheid ein Dokument, das das ganze Leben bestimmt: wo du lebst, wo du arbeitest, einkaufst, in welches Kino du gehst und an welchen Strand - ja, sogar welche Nutten du besuchen darfst - alles geregelt von einem kleinen Stück Papier. Als Emmanuel Cooper seinen Status als Weißer verliert und als so genannter "Gemischtrassiger" eingestuft wird, verliert er nicht nur seine Wohnung... .

Lass die Toten ruhen” ist ein originelles Zweitwerk, spannend und mit viel Tempo. Es empfiehlt sich zum besseren Verständnis allerdings, vorher Malla Nunns Erstling „Ein schöner Ort zu sterben” zu lesen.

Malla Nunn: Lass die Toten ruhen

Bewertung: 3 afrikanische Kontinente

© Literaturportal AfrikaRoman - Afrikaromane im Netz



 
   

   
  
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