Mittwoch, 26. April 2017


Liberty, Jakob Ejersbo - AfrikaRoman-Rezension




Kommentar zum Buch von Jakob Ejersbo
Liberty
Verlag: btb
ISBN: 978-3442752867
Seiten: 864
Einband: broschiert
Erschien: Okt. 2011

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Buchrezension von Dagmar Sachse
Veröffentlicht am 12. Januar 2012


Christian Larsen ist 12, als er mit seinen Eltern 1980 aus Dänemark nach Tansania zieht, in eine Stadt namens Moshi, in der Nähe des Kilimandscharo. Christians Vater arbeitet als Entwicklungshelfer. Der Tansanier Marcus, der nur ein Jahr älter ist als Christian, wird als Hausdiener und „Mädchen für alles” bei den Larsens angestellt und erlebt zwar zum großen Teil denselben Alltag, aber aus einer völlig anderen Perspektive. Die beiden Jungs sind die Erzähler in „Liberty”.
Christians Leben nimmt eine tragische Wendung, als bei einem von seiner Mutter verschuldeten Unfall seine kleine Schwester ums Leben kommt. Ihre Eltern können mit dem Tod der Kleinen nicht umgehen, die Ehe zerbricht unaufhaltsam und dabei wünscht sich Christian nichts mehr, als für immer in Tansania zu bleiben.
Marcus hingegen hat nur einen Traum: raus aus Afrika, ab ins reiche Europa und viel Geld verdienen. Wo Christian sagt: „Ich bin nicht so weiß, wie ich aussehe.” wünscht sich Marcus genau das.

„Liberty” ist ein vielschichtiger Roman. Vordergründig erzählt er die Geschichte des Heranwachsens von Christian und Marcus, aber es geht um viel mehr: um Weiße, die sich wie Kolonialisten aufführen und eigentlich Entwicklungshelfer sind und Schwarze, denen nur daran gelegen ist, die Weißen auszunehmen. Niemand kommt gut weg in diesem Buch, einer ist so korrumpierbar wie der andere und wenn man meint, das die Idee „Entwicklungshilfe” eine schon lange geplatzte Seifenblase ist: der Autor bestätigt diese These nachdrücklich.
Und über allem schwebt, immer präsent: der Sex. Bettgeschichten und Promiskuität sind das Salz der Suppe dieses Romans - sparsamer dosieren wäre allerdings angebracht gewesen. „Liberty” vermittelt den Eindruck, dass jeder weiße Entwicklungshelfer in Tansania den ganzen Tag nur damit beschäftigt ist, dem schwarzen Hausmädchen nachzustellen. Und auch die Tansanier sind nicht besser: den Männern ist nur daran gelegen, eine weiße Frau flachzulegen und alle Frauen wollen über den Sex mit einem (vorzugsweise reichen) Weißen das Ticket nach Europa lösen.

So zeichnet „Liberty” ein recht einseitiges Bild von Tansania und seinen Menschen, wenn auch auf unterhaltsame, flüssig zu lesende Weise. Auch ein paar Seiten weniger hätten dem Buch gut getan, so hat die Handlung etliche Längen, die genauso störend sind wie die teilweise pornografische, zu krampfhaft aufs „Schmutzigsein” bedachte Sprache.
Insgesamt beleuchtet der Roman eher klischeehaft ein wunderschönes Land, das sicher eine differenziertere Darstellung verdient hätte.


Bewertung: 3 afrikanische Kontinente



 
   

   
  
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