Sonntag, 19. November 2017


Die flüsternden Seelen - AfrikaRoman-Rezension




Kommentar zum Buch von Henning Mankell
Die flüsternden Seelen
Verlag: Zsolnay
ISBN: 3-552-05335-2
Seiten: 256
Einband: gebunden
Erschien: Feb. 2007



Buchrezension von Dagmar Sachse
Veröffentlicht am 19. März 2007


Mankell nicht auf der Höhe

Zuallererst: Die flüsternden Seelen ist kein Afrikaroman im eigentlichen Sinn. Eher eine Episodensammlung, eine Aneinanderreihung und teilweise Verflechtung von Geschichten und Schicksalen.

Das Buch beginnt mit der Schilderung von Mankells erster Reise nach Südafrika. Ab dem zweiten Kapitel folgen die Geschichten einzelner Menschen, schwarzer und weißer, und ihrer Berührungspunkte. Felisberto etwa, der Diener von Dom Estefano und seiner Frau Donna Elvira, aber auch Felisbertos Familie und die Lebensgeschichte seiner Herrschaften. Die Stories vermischen Erlebtes mit Mythen und Legenden, Vergangenheit und Zukunft.

Wer Henning Mankells bisheriges Werk kennt, wird erstaunt sein über den übertrieben poetischen Stil des ersten Kapitels. Wenn Mankell abwechselnd Gedichte rezitiert, alle Afrikaner dunkler Hautfarbe pauschal zu Gutmenschen stilisiert und dem Leser seine Sicht der Kolonialzeit nahebringt, möchte man das Buch am liebsten aus der Hand legen, bevor es beginnt. Erkenntnisse wie „…Alle Menschen sind verwandt. Wir gehören alle zur selben Familie.” sind sehr pathetisch, platt und außerdem wirklich nichts Neues.

Ab Kapitel zwei tut der Autor dann das, was er am besten kann: er läßt seine Protagonisten erzählen. Ob Hunger, Krieg und Gewalt, die koloniale Herrschaft der Europäer oder alte Mythen und Legenden alles wird in Geschichten verarbeitet, die Dom Estefano und Felisberto, Sakinda, Legendo, Deolinda und viele andere berichten. Leider sind es zu viele Hauptpersonen, zu viele Erzählstränge. Das macht es schwer, den roten Faden zu finden und nicht zu verlieren. Völlig ungewohnt bei Mankell, will der Funke beim Lesen nicht so recht überspringen, das Immer-Weiterlesenwollen-Gefühl stellt sich nicht ein. Zu stark ist die Vermischung von wirklich Erlebtem und Geträumtem, zu unüberschaubar und wenig sichtbar Zusammenhänge und Übergänge. Der Erzählstil ist wundervoll: farbenprächtig und plastisch, emotional und stark wie immer bei Mankell. Leider trübt die relative Zusammenhanglosigkeit mancher Kapitel die Lesefreude etwas.

Bewertung: 3 afrikanische Kontinente

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