Freitag, 24. Oktober 2014


Rezension: Das Herz des Jägers, Deon Meyer




Kommentare zum Buch von Deon Meyer
Das Herz des Jägers
«Das Herz des Jägers»

Verlag: Rütten & Loening
ISBN: 3-352-00727-6
Seiten: 409
Einband: gebunden mit Schutzumschlag
Erschien: Aug. 2005

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AfrikaRoman-Rezensionen zu
„Das Herz des Jägers” von Deon Meyer


Autor: Dagmar Sachse
schrieb am 18. November 2005

Thobela "Tiny" Mpayipheli ist Hausmeister in einem Motorradladen und lebt mit seiner Freundin Miriam und deren Sohn Pakamile in einem bescheidenen Haus in einem Vorort von Kapstadt. Das klingt völlig normal, sagen Sie? Ja, vielleicht - aber nur so lange, wie man nicht weiß, daß Thobela in einem hinter ihm liegenden Abschnitt seines Lebens als Auftragskiller für den KGB gearbeitet hat. "Umzingeli", der gnadenlose, gefürchtete Xhosa - Jäger, zum Töten ausgebildet und bestimmt, will die Geister seiner Vergangenheit endlich hinter sich lassen. Mit Hilfe Miriams und Pakamiles gelingt ihm das, doch nur, bis eines Tages die Tochter eines alten Freundes vor seiner Tür steht und ihn um einen Gefallen bittet: er soll eine Festplatte mit brisanten Daten nach Lusaka in Sambia bringen.

Was zuerst wie ein relativ einfacher Freundschaftsdienst aussieht, gerät bald zu einer Hetzjagd quer durch Südafrika. Im Laufe seiner Odyssee verwandelt sich Thobela schrittweise zurück in Umzingeli - und kämpft gleichzeitig heftig dagegen an.
Dieser innere Kampf Tinys mit sich selbst ist ein wichtiger Teil des Romans, der auch die zeitweilig etwas in die Länge gezogene Flucht mit dem Motorrad vor dem südafrikanischen Geheimdienst gut ausgleicht.

Unterstützt von den Medien und verschiedenen Biker-Gangs, gejagt von neuen Feinden und ohne wirkliches Wissen darüber, was er zu seinem Freund nach Lusaka transportiert, entwickelt sich Tinys Roadtrip zu einer Reise in die Vergangheit. Der Leser erfährt über die Schwierigkeiten der noch jungen südafrikanischen Demokratie, in der alte Feinde auf einmal zusammenarbeiten müssen und von Konflikten zwischen den verschiedenen schwarzen Volksgruppen. Zum Glück verzichtet Deon Meyer völlig darauf, ein verklärtes Afrikabild zu zeichnen, sondern überrascht stattdessen mit hinreissenden Landschaftsschilderungen, Dramatik und Hochspannung.

„Das Herz des Jägers” ist Politthriller mit komplexer Handlung, Roadmovie - und ein Plädoyer für Südafrika und seine Bewohner. Er wurde - völlig zu recht - nach seinem Erscheinen in den USA in die Liste der "Besten 10 Thriller des Jahres" gewählt.

Deon Meyer: Das Herz des Jägers

Bewertung: 4 afrikanische Kontinente

Vielen Dank der Aufbau Verlagsgruppe für das Rezensionsexemplar
© Literaturportal AfrikaRoman - Afrikaromane im Netz



Autor: Sven Rosenow
schrieb am 18. September 2005

Filmreife Spannung aus Südafrika

Ein Mann namens Jonny Kleintjes wurde gekidnappt und ihm droht der Tod, wenn nicht binnen 72 h eine Festplatte mit höchst brisanten Inhalten in Lusaka/Sambia übergeben wird. Die Tochter Kleintjes - Monica soll Kontakt zu einem alten Freund aufnehmen, der ihm noch einen Gefallen schuldet. Doch dieser Mann, Thobela Mpayipheli, führt als gering bezahlter Angestellter in einer Motorradwerkstatt ein kleinbürgerlich - glückliches Familienleben, zusammen mit Miriam Nzululwazi und ihrem Sohn Pakamile.

Herausgerissen aus diesen "Schläferleben", macht sich der Protagonist auf den Weg, seinem Freund zu helfen. Doch auch der südafrikanische Geheimdienst ist an dieser mit gefährlichen Informationen über die Vergangenheit des Landes bepackten Festplatte interessiert. Als der erste Versuch, Thobela durch Regierungsagenten zu stoppen, scheitert; ruft Janina Mentz, die ehrgeizige Leiterin einer Geheimdienstoperation, die Reaction Unit (RU) in den langersehnten Einsatz. Doch dieser zwei Dutzend starken Spezialeinheit steht eine Erkenntnis erst noch bevor, die Thobela Mpayipheli bereits erfahren hatů

So greift Deon Meyer in seinem nunmehr dritten Roman (der Zweite in deutscher Sprache) das Thema der konkurrierenden Geheimdienste im neuen demokratischen Südafrika auf, welche unfähig sind, sich den veränderten Verhältnissen anzupassen. Von enormem Ehrgeiz getrieben, suchen sie ihre Gunst in den Ministerien. Der Frage nach der wahren Identität des "großen bösen Xhosa-Bikers" Tiny (=winzig) nachgehend, müssen so ehemalige Antiapartheid - Aktivisten und rassistische Buren in den neu gebildeten Geheimdiensten kooperieren.

Solch interessante Konfrontationen, gepaart mit emotionalen Zwiespälten der handelnden Personen - die sicher auch bei dem einen oder anderen Leser hervorgerufen werden - und einer dramatischen Verfolgungsjagd durch das südliche Afrika, machen dieses Buch zu einem wirklich spannenden Thriller, der durch ständige Orts- und Handlungswechsel einen sehr starken Zog ausübt.

Ein großartiger Roman, dessen Handlung durch einen sympathischen Helden vorangetrieben wird und für den Südafrika die perfekte Kulisse bildet. Es wäre ein Verlust, wenn dieser aufregend mitreißende und aktuelle Kriminalroman nicht verfilmt würde.

Bewertung: 5 afrikanische Kontinente

© Literaturportal AfrikaRoman - Afrikaromane im Netz


 
   

   
  
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