Donnerstag, 21. September 2017


Der traurige Polizist, Deon Meyer - Rezension




Kommentar zum Buch von Deon Meyer
Der traurige Polizist
«Der traurige Polizist»

Verlag: Aufbau Tb
ISBN: 978-3746630502
Seiten: 452
Einband: broschiert
Erschien: Feb. 2014

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Buchrezension von Dagmar Sachse
Veröffentlicht am 6. November 2005


„Südafrikas bester Thrillerautor” verkündet der rote Aufkleber auf dem Buchdeckel.
Ich bin großer Thrillerfan und gespannt auf diesen Autor, denn es ist der erste Roman, den ich von ihm lese.

Die Handlung in Der traurige Polizist dreht sich um eine Mordserie am Kap, die dem ermittelnden Polizisten Rätsel aufgibt. Mit einer museumsreifen Waffe, einer deutschen Mauserpistole aus dem 19. Jahrhundert, werden Menschen erschossen, die anscheinend in keinerlei Beziehung zueinander stehen.

Protagonist ist Captain „Mat” Joubert, Angehöriger der Polizei von Kapstadt und ein gebrochener Mann, seit er vor ein paar Jahren seine Frau bei einem Polizeieinsatz verloren hat. Übergewichtig und ungesund lebend, gleichgültig gegenüber seiner Umwelt und mit Suizidgedanken kämpfend, hat sich das Leben Mat Jouberts zur bloßen Existenz reduziert.
Seinem neuen Chef, einem aufstrebenden und von Ehrgeiz zerfressenen Beamten, ist dieser „traurige Polizist” ein Dorn im Auge. Als dann noch die Ermittlungen im „Mauser-Fall” in einer Sackgasse stecken, stellt der Abteilungsleiter Joubert ein Ultimatum: entweder er begibt sich in psychologische Behandlung und zur Ernährungsberatung oder er verliert seinen Job.
Anfangs äußerst widerwillig folgt der Captain den Anordnungen seines Chefs, aber je öfter er seine Diätmahlzeiten zubereitet und im Schwimmbad seine Bahnen zieht, desto mehr wächst sein Lebensmut und um so mehr kehrt sein Arbeitselan, seine „Spürnase” wieder. Nicht unbeträchtlichen Anteil an dieser Wesensveränderung hat die Psychologin Dr. Nortier, der sich Captain Joubert in einer Gesprächstherapie anvertraut.
Und natürlich ist zum Schluß doch vieles nicht, wie es scheint... .

Die Schilderung der Persönlichkeit Mat Jouberts, seiner inneren Zerrissenheit und seiner seelischen Wunden ist dem Autor meisterhaft gelungen. Sein Charakter, die Aufarbeitung seiner psychischen Probleme und die allmähliche Aufdeckung ihrer Ursachen sind packend geschrieben und ließen mich teilweise auch nach dem Zuklappen des Buches nicht los.
Die eigentliche Thrillerhandlung wirkt dagegen farblos, langweilig und konstruiert, bis zu ihrem (immerhin überraschenden) Finale.
Auch der kleine Ausflug ins erotische Genre (Mat Joubert bekommt am Anfang des Romans Avancen von der 18jährigen Tochter seines Nachbarn) wirkt fehl am Platz, hölzern und etwas peinlich.

Mein Fazit nach der Lektüre: Deon Meyer hat mit diesem Buch keinen meisterhaften Thriller abgeliefert, aber dafür eine preisverdächtige Charakterstudie. In einem anderen Rahmen wäre der Protagonist sicher noch anrührender und glaubwürdiger erschienen, so macht einzig und allein die Figur des Mat Joubert den Roman lesenswert.

Deon Meyer: Der traurige Polizist

Bewertung: 4 afrikanische Kontinente

Vielen Dank an die Aufbau Verlagsgruppe für das Rezensionsexemplar
© Literaturportal AfrikaRoman - Afrikaromane im Netz


 
   

   
  
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