Donnerstag, 14. Dezember 2017


Schlaf ein, mein Kind von Andrew Brown (Rezension)





Kommentar zum Buch von Andrew Brown
Schlaf ein, mein Kind
Verlag: Btb
ISBN: 978-3442739516
Seiten: 384
Einband: Taschenbuch
Erschien: Juli 2009

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Buchrezension von Dagmar Sachse
Veröffentlicht am 22. Oktober 2009


Stellenbosch, eine ganz normale Kleinstadt in den südafrikanischen Winelands: im Fluß Eerste River wird die Leiche einer jungen, weißen Frau gefunden. Schnell steht fest: ein illegaler Einwanderer aus Burundi hat die Studentin Melanie ermordet. Ihr Vater, ein angesehener Universitätsprofessor, greift zur Selbstjustiz und tötet den verdächtigen Burundier. Damit sind die Ermittlungen eigentlich abgeschlossen, aber dem abgehalfterte Detective Februarie lässt der eigentlich beendete Fall keine Ruhe, besonders, nachdem er die Sammlung bedrohlich-düsterer Schlaflieder findet, die Melanie angelegt hat. Er und seine junge Kollegin Xoliswa ermitteln weiter.
Die gleiche Stadt, fast 300 Jahre früher: der Gouverneur der Kapkolonie und Namensgeber Stellenboschs; Simon van der Stel, beginnt mit den Weinanbau am Kap. Der despotische Winzer tut alles, um damit zum Erfolg zu kommen: sein Statthalter van der Kessel demütigt und tyrannisiert die Sklaven auf die schlimmste Weise. Bis die Sklavin Sanna unerwartet Widerstand leistet...

In Andrew Browns Roman finden sich die oft strapazierten Elemente vieler Krimis: der heruntergekommene, gleichgültige Bulle, die ehrgeizige junge Polizistin, der halbseidene Besitzer eines Nachtclubs... diese klischeebeladenen Figuren dominieren etliche Romane des Genres. Brown allerdings schafft es, sich durch die beiden Handlungsstränge und besonders die erst zum Schluss deutlich werdende Bedeutung der Schlaflieder, vom "Einheitsbrei" abzuheben. Anfangs etwas zäh und überfrachtet daherkommend, gewinnt das Buch nach den ersten einhundert Seiten deutlich an Spannkraft: der Text wird flüssiger, die anfangs nicht erkennbare Relevanz der Schlaflieder allmählich ersichtlich. Auch die Charaktere der Protagonisten gewinnen an Tiefe. Nur der Zusammenhang beider Handlungsstränge wird erst zum Schluss deutlich - auch dies eine Besonderheit in der Welt der Kriminalliteratur.
Der Autor zeigt: der Rassismus in Südafrika hat sein Gesicht in der Gegenwart vielleicht geändert, er tritt nicht mehr so offen und selbstverständlich zutage wie im 17. Jahrhundert - doch er ist nach wie vor präsent. Die Charakterstudie des Detective ist genauso erstklassig gelungen wie die Porträts der beiden jungen Frauen: die Sklavin Sanna und die farbige Polizistin Xoliswa leben zwar zu verschiedenen Zeiten, aber sie haben eins gemeinsam: sie lassen sich nicht unterkriegen.
„Schlaf ein, mein Kind” ist ein tendenziell düsterer, detailreicher Krimi, in dem vieles nicht so ist, wie es anfangs scheint: lesenswert!

Andrew Brown: Schlaf ein, mein Kind

Bewertung: 4 afrikanische Kontinente

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