Mittwoch, 26. Juli 2017


Rezension: Vatmaar, Andrew Henry Martin Scholtz





Kommentar zum Buch von Andrew Henry Martin Scholtz
Vatmaar
Verlag: Luchterhand Literaturverlag
ISBN: 978-3630870236
Seiten: 406
Einband: gebunden
Erschien: 1998

online bestellen:



Buchrezension von Sven Rosenow
Veröffentlicht am 27. Januar 2006


Eine Lebenserzählung von einer Zeit, die so nie mehr sein wird

Sie lebten in einer Ansiedlung mit dem Namen Vatmaar, die Menschen aus diesem Buch. Die ihre Geschichten auf traditionelle Art und Weise erzählten, welche sie auch nur in dieser Form kannten. Und genau so wurden sie weitergegeben, die Erzählungen der Alten - in Geschichten, die zeigen, wie alles begann, die die Kultur der Griqua weitergeben und die für die Jungen zu Mythen wurden. So erzählt Ta Vuurmark, neben Onkel Chai eines der Gründungsmitglieder der Gemeinde, wie alles angefangen hat.

Onkel Chai diente im südafrikanischen Burenkrieg unter seinem so genannten Freund Korporal George Lewis den Briten als Handlanger gegen die niederländischen Weißen. Im Namen der Queen Victoria jagten sie Buren, brannten deren Farmhäuser nieder und unterschlugen teilweise deren Besitz. Nach Ende des Krieges heiratet der englische Korporal Ruth, eine Schwarze, und findet nichts dabei, dass seine Kinder Mischlinge sein werden. Onkel Chai, der eben so ein Farbiger ist, erhält trotz dieser Gegebenheit einen Job in der Stadtverwaltung der Gemeinde Du Toitspan. Gemeinsam gründen diese Männer an der Straße von Kapstadt nach Transvaal eine kleine Existenz und geben ihr den Namen Vatmaar.

Am Beispiel dieser kleinen Gemeinde erzählt der Autor Andrew Henry Martin Scholtz die Geschichte der Menschen am Rande der südafrikanischen Gesellschaft zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts.
Eine Eigenheit des Romans ist es, dass es keinen richtigen roten Faden in der Handlung gibt. Was wohl als Ergebnis dessen zu sehen ist, dass sich der Autor völlig zurückstellt und die Figuren erzählen lässt - Menschen, die Geschichten erzählen, die schon andere vor ihnen erzählt haben. Sie tun es so, wie sie selbst eben sind - einfach, ungeschliffen, zartfühlend. Natürlich weiß jeder seine eigene Geschichte zu erzählen, wobei aber alle eins verbindet: das menschliche Miteinander im Dorf. In einer Gemeinschaft aus Armen aller Hautfarben ist der Leser doch auf sehr harmonische Weise Zeuge der Veränderungen in einer Welt, in der die Rassentrennung zwar noch formlos, jedoch gegenwärtig ist.

Vatmaar, so der Titel des außergewöhnlichen Debüt-Romans von Andrew Henry Martin Scholtz, wurde mit mehreren südafrikanischen Literaturpreisen ausgezeichnet. Das Buch erschien 1995 in Kapstadt und war der erste auf Afrikaans geschriebene Roman eines so genannten "Coloured", eines Farbigen.

Fazit: Dieses Buch mit dem Untertitel "Eine Lebenserzählung von einer Zeit, die so nie mehr sein wird" ist ein kleiner Schatz und ein großes Vermächtnis der Generationen. Und wie es mit "Schätzen" immer so ist, ist in diesem Fall das Buch im Verlagshaus nicht mehr lieferbar. Aber es gibt sie noch, die wahrscheinlich letzten gut erhaltenen Exemplare.

Andrew Henry Martin Scholtz: Vatmaar

Bewertung: 5 afrikanische Kontinente

Druckversion im PDF-Format 
© Literaturportal AfrikaRoman - Afrikaromane im Netz


 
   

   
  
Werde Fan von uns auf Facebook schließen
öffnen