Mittwoch, 26. Juli 2017


Buchrezension: Der Garten der verlorenen Seelen, Nadifa Mohamed




Der Garten der verlorenen Seelen
Verlag: C.H.Beck
ISBN: 978-3406663130
Seiten: 269
Einband: gebunden
Erschien: Jan. 2014

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Buchrezension von Jeannette Oholi
Veröffentlicht am 27. Oktober 2014


Ende der Achtziger Jahre steht Somalia kurz vor dem Kriegsausbruch. In den Wirren dieser Zeit kreuzen sich die Wege von drei Frauen. Deqo, Kawsar und Filsan sind verlorene Seelen, die der Grausamkeit des Krieges durch gegenseitige Solidarität am Ende des Buches entgehen können.

Nadifa Mohamed entwirft in ihrem Roman Der Garten der verlorenen Seelen das Bild von drei Frauenfiguren unterschiedlichen Alters, die gleichsam drei Generationen Somalias repräsentieren. Die jüngste Figur ist das neunjährige Mädchen Deqo, das, von der Mutter zurückgelassen, in einem Flüchtlingslager in Saba’ad aufwächst. Als Soldaten Kinder suchen, die einen Tanz im Rahmen einer Militärparade aufführen, kommt Deqo in die Stadt Hargeisa.

Alle Bewohner Hargeisas sind dazu verpflichtet, an der Militärparade im Stadion teilzunehmen – so auch Kawsar. Sie ist die älteste der drei Romanfiguren und lebt seit dem Selbstmord ihrer Tochter wie in Trance. Als sie Zeugin wird, wie Deqo von Soldatinnen geschlagen wird, da sie beim Tanzen Fehler gemacht hat, geht Kawsar schützend dazwischen. Deqo kann in dem Chaos entwischen, Kawsar jedoch wird in das Gefängnis gebracht. Im Verhör, das die dritte Figur Filsan führt, beharrt Kawsar auf ihrem Standpunkt und wird von Filsan so schwer misshandelt, dass sie nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis mit einer gebrochenen Hüfte an ihr Bett gefesselt ist.

Filsan tritt als brutale Soldatin mittleren Alters auf, die nicht davor zurückschreckt, eine ältere Frau zusammen zu schlagen oder auf Zivilisten zu schießen. Im Laufe des Romans wird jedoch klarer, wie die junge Frau nach außen hin so verhärten konnte. Ihr Vater – früher selbst ein führender Militär – beherrschte als Patriarch Filsans Kindheit und bestrafte sie für jedes vermeintliche Fehlverhalten mit Schlägen. Es wird angedeutet, dass ihre Mutter den Vater verlassen und damit Schande über die Familie gebracht hat. Hinter Filsans Fassade befindet sich eine verletzliche junge Frau, die auf der Suche nach Nähe und Liebe ist.

Als der Krieg kurz vor dem Ausbruch steht, treffen Deqo, Kawsar und Filsan erneut aufeinander. Den drei Figuren wird klar, dass sie nur zusammen aus der Verlorenheit, dem Chaos und der Gewalt der frühen Kriegstage herausfinden können. So solidarisieren sie sich miteinander – auch Kawsar und Filsan nähern sich an – und versuchen, aus der bereits zerstörten Stadt Hargeisa in ein Flüchtlingslager an der äthiopischen Grenze zu gelangen.

Nadifa Mohamed ist nach ihrem Erstlingswerk „Black Mamba Boy” erneut ein großer Roman gelungen. Er zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass die Autorin ihren Blick ausschließlich auf Frauenschicksale richtet. Jede einzelne der drei Frauen kann den Krieg nur überleben, indem sie sich gegenüber den anderen solidarisch zeigt. Dadurch erhalten sich Deqo, Kawsar und Filsan nicht nur ihre Menschlichkeit, sondern auch die Fähigkeit zu lieben. Am Ende des Romans scheinen sie am Ende einer Suche angelangt. Die drei Frauen haben eine neue Gemeinschaft, eine Familie, gefunden.


Bewertung: 4 afrikanische Kontinente
© Literaturportal AfrikaRoman – Afrikaromane im Netz



 
   

   
  
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