Freitag, 24. März 2017


Wir sind die Macht, Leymah Roberta Gbowee - Buchrezension





Kommentar zum Buch von Leymah Roberta Gbowee
Wir sind die Macht
«Wir sind die Macht»

Verlag: Klett-Cotta
ISBN: 978-3608947397
Seiten: 319
Einband: gebunden mit Schutzumschlag
Erschien: Aug. 2012

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Buchrezension von Dagmar Sachse
Veröffentlicht am 22. Oktober 2012


Leymah R. Gbowee wächst gemeinsam mit ihren Schwestern in behüteter Umgebung in Monrovia auf und feiert gerade ihren Schulabschluss, als der Bürgerkrieg in Liberia ausbricht. Ausbildung, Studium? Alles ist auf einmal unwichtig, es geht nur noch um die eigene Sicherheit und den Schutz der Familie.
Mitten in den Wirren des Konflikts lernt sie Daniel kennen und verliebt sich. Er tut ihr nicht gut, schlägt und vergewaltigt sie und ist eifersüchtig bis zur Raserei. Außerdem schwängert er Leymah fast ununterbrochen und nach 6 Jahren ist aus der jungen, selbstbewussten Frau voller Pläne ein nervliches Wrack mit vier Kindern geworden, körperlich und seelisch am Boden. Doch wohin mit ihr und ihrem Leben? Die tiefgläubige Leymah hat eine Vision, eine Bibelstelle gibt ihr Kraft. Sie beginnt mit traumatisierten Kindersoldaten zu arbeiten, schöpft neue Kraft und schafft es, sich von Daniel zu trennen.
Außerdem beginnt sie ein Studium, immer umgetrieben von der Frage: Was erwarte ich von meinem Leben, meiner Zukunft? Die Antwort darauf endet an immer dem selbem Punkt: es braucht Frieden, als Voraussetzung für alles andere. Und Liberias Frauen sind für Leymah der Dreh- und Angelpunkt, um Frieden zu schaffen. Sie organisiert Seminare für Frauen, in denen Traumata verarbeitet werden können und Selbstbewusstsein erlernt wird. Außerdem organisieren die Frauen aus den Seminaren politische Aktivitäten und tragen den Friedensgedanken unter Freundinnen und Bekannten weiter. So entsteht ein Netzwerk aus weiblichen Aktivisten gegen den Bürgerkrieg, deren Kopf und Herz Leymah ist. Ehefrauen und Mütter als Friedensstifterinnen? Die Idee ist in Liberia nicht neu, doch erst durch Leymah Gbowee wird ihr echtes Leben eingehaucht. Sie organisiert Großdemonstrationen und Sitzstreiks, legt sich mit den Mächtigen des Landes an und schafft es letztlich unter großen persönlichen Opfern, das der Friedensprozess in Liberia nach 14 Jahren Bürgerkrieg endlich in Gang gebracht wird.
Auch international ist Leymah R. Gbowee in der Frauenbewegung aktiv, sie ist Rednerin bei etlichen internationalen Kongressen und in mehreren Krisenregionen der Welt unterwegs, um für den Frieden zu arbeiten.
2011 wird ihr, gemeinsam mit Liberias Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf, der Friedensnobelpreis verliehen.
Wir sind die Macht” ist nicht nur die Autobiographie der Autorin, sondern auch ein anschaulich geschilderter Teil der Geschichte Liberias und ein Paradebeispiel dafür, wie Selbsthilfe in Afrika aussehen kann. Leymah R. Gbowee ist einen langen Weg gegangen und der Leser ist bei jedem ihrer Schritte dabei. Auch Phasen ihres Lebens, die beschämend für sie sind, lässt sie bei ihrer Schilderung nicht aus. Der Glaube gibt ihr Kraft und Energie. „Wir sind die Macht” ist das Porträt einer beeindruckenden Persönlichkeit.

Bewertung: 4 afrikanische Kontinente



 
   

   
  
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