Donnerstag, 17. Mai 2012




Zulu, Caryl Férey - Rezension





Kommentar zum Buch von Caryl Férey
Zulu
Verlag: Piper
ISBN: 978-3492052955
Seiten: 512
Einband: gebunden
Erschien: März 2010

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AfrikaRoman-Rezension zu
„Zulu” von Caryl Férey


Autor: Dagmar Sachse
schrieb am 11. November 2010

Die Apartheid und ihre Erben

Wie gut, dass Südafrika und alles, was das Land am Kap thematisiert, zur Fußballweltmeisterschaft in den Fokus der Weltöffentlichkeit gerückt ist. Sonst hätten es einige Bücher ganz sicher nicht in deutsche Buchhandlungen geschafft und das wäre, zumindest im vorliegenden Fall, wirklich schade.

Ali Neuman ist Zulu. Außerdem ist er der Chef der Kapstadter Kriminalpolizei - kein leichter Job in einer der schönsten und gleichzeitig gefährlichsten Städte der Welt.
Als eine junge weiße Frau ermordet im Botanischen Garten der Stadt gefunden wird, beginnen er und seine Kollegen sofort zu ermittelt. Rückstände einer bisher unbekannten Droge in ihrem Körper führen Neuman und seine Kollegen auf die Spur einer Gruppe von Wissenschaftlern, die im Auftrag der Apartheid früher chemische Waffen entwickelten und anscheinend immer noch aktiv sind.
Dann kommt ein zweites Mädchen ums Leben, die Ermittler nähern sich den Drahtziehern und geraten bald selbst ins Visier der Täter und Hintermänner.

Caryl Férey versteht es, gleichzeitig eine äußerst spannende Romanhandlung zu entfalten und sie geschickt mit politischem Hintergrundwissen zu vermischen. Der im Ausland kaum beachtete Kampf innerhalb der Feinde der Apartheid wird herausgearbeitet. Das der Konflikt zwischen dem ANC, der radikalen Zulu-Partei Inkatha und anderen Gruppierungen während der Apartheid etwa dreimal soviel Opfer forderte wie die politische Gewalt im Land, ist kaum bekannt und einer der Gründe, warum die international geächtete südafrikanische Regierung sich über so viele Jahre behaupten konnte: sie sorgte dafür, das ihre Gegner sich in ethnischen Konflikten zermürbten.
„Wenn ich einen Weißen töte, ist meine Mutter glücklich” lautete einer der Inkatha-Slogans - das dieses Erbe sich auch nach der Apartheid noch im Land manifestiert, wird im Roman „Zulu” deutlich.
Feréy erzählt in bester roman noir - Tradition die Geschichte eines Landes mit schwerem Erbe. Sein Stil ist nüchtern, brutal, nichts für zart besaitete Gemüter - und absolut fesselnd. „Zulu” ist sein erstes (aber hoffentlich nicht letztes) auf Deutsch übersetztes Buch und ist in Frankreich mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem „Grand prix de littérature policière”, dem wichtigsten Krimipreis des Landes.


Bewertung: 5 afrikanische Kontinente

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