Mittwoch, 29. März 2017


Special


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Traumpass von Doreen Nabwire

Mein Weg aus den Slums von Nairobi auf die Fußballplätze Europas

Rezension zum Buch:

Didier Drogba, Samuel Eto'o oder Michael Essien - diese Namen sind vielen Fußballbegeisterten aus aller Welt bekannt, stehen sie doch für Afrikaner, die es geschafft haben, bei den Topclubs aus Europa einen Vertrag zu erhalten. Sie stehen, vor allem in Afrika, auch für Hoffnung. Hoffnung darauf, mithilfe des Fußballs, mit Talent und Fleiß, herauszukommen aus Elend, Arbeits- und Hoffnungslosigkeit.
Aber wer außer Insidern kennt Spielerinnen wie Doreen Nabwire? Kaum jemand. Das könnte sich jetzt ändern, denn als eine der wenigen erfolgreichen afrikanischen Fußballerinnen hat die junge Kenianerin, die im Moment beim niederländischen Erstligisten FC Zwolle unter Vertrag steht, ihre Biografie zu Papier gebracht - pünktlich zum Start der Frauen-Fußball-WM 2011.

Doreen Nabwire Omondi erzählt, unterstützt von dem deutschen Journalisten Herbert Ostwald, wie sie zum Fußball kam.
In ihrer Heimat Kenia hat dieser Sport, genau wie in ganz Afrika, einen hohen Stellenwert. Spielt die Nationalmannschaft, steht das öffentliche Leben still. Auch die kleine Doreen kickt schon als Kind begeistert mit Lumpenbällen, leeren Getränkedosen und ähnlichen Ballersätzen auf den Straßen von Kariobangi-South, einem der größten Slums von Kenias Hauptstadt Nairobi. Mit 9 Jahren tritt sie dem Verein „Mathare Youth Sports Association” (MYSA) bei. Dessen Gründer, der Kanadier Bob Munro, gründete ihn in erster Linie zwar als Fußballclub, er ist aber auch als Selbsthilfeorganisation gedacht. Mittlerweile sind über 20.000 junge Menschen Mitglied bei MYSA. Sie trainieren in 16 verschiedenen Sektionen. MYSA wurde 2004 für den Friedensnobelpreis nominiert.
Doreen fällt schnell durch ihr Fußballtalent auf und macht rasant Karriere innerhalb des Clubs. Nach einigen Jahren spielt sie in Kenias Premiere League, wird später zur Straßenfußball-WM nach Deutschland eingeladen und gewinnt mit ihrem Team sensationell das Turnier. Daraufhin folgt die Einladung der FIFA, als Botschafterin bei der Initiative „Football for Hope” mitzuwirken. Als 15Jährige ist sie Nationalspielerin. Ihr Weg scheint geebnet, Doreens unermüdlicher Ehrgeiz, ihr Fleiß und ihr Talent haben es ihr trotz vieler Hindernisse möglich gemacht, den Traum von der Profi-Karriere zu leben. Doch dann wird sie schwanger ...

„Traumpass” ist nicht nur für Fußballfans interessante Lektüre. Man lernt beim Lesen viel über den Alltag in Kenia, über Stammeszugehörigkeiten und wie sie das Leben der Menschen beeinflussen. Über das Leben in Slums wie Mathare oder Kariobangi, die sich der Europäer gemeinhin als eine Art “Vorhölle”, voll mit Verbrechern, Junkies und Huren, vorstellt. Dabei sind die Slums Wohnorte für ganz normale, hart arbeitende Menschen, die versuchen, irgendwie genügend Geld zum Leben zu verdienen. Dort wohnen Bankangestellte, Bauarbeiter, Taxifahrer, Lebensmittelhändler.
Von diesem Alltag erzählt Doreen Nabwire sehr unaufgeregt und nie moralisierend. „Traumpass” ermöglicht eine neue Sicht auf afrikanisches Leben und den Fußball in Kenia - und erzählt von einer großartigen Frau und einer vielversprechenden Karriere.
Alles Gute für Sie, Frau Nabwire!

Doreen Nabwire und Herbert Ostwald: Traumpass, Vgs Verlag. Köln 2011, 191 Seiten, EUR 14.99

Bewertung:
Autor: Dagmar Sachse


Video zu „Traumpass von Doreen Nabwire & Herbert Ostwald”:


© Mai 2011 Literaturportal AfrikaRoman

 
   

   
  
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