Rezensionen

T. C. Boyle: Wassermusik

AfrikaRoman über T. C. Boyle
T. Coraghessan Boyle wurde im Dezember 1948, in Peekskill / New York geboren. Sein Geburtsname war Thomas John Boyle, den Namen Coraghessan gab Boyle sich selbst nach einem Vorfahren. Boyles Vater war von Beruf Busfahrer, seine Mutter Sekretärin.

1977 promovierte T.C. Boyle an der University of Iowa. Drei Jahre zuvor heiratete Boyle Karen Kvashay; die beiden haben eine Tochter, Kerrie, und zwei Söhne, Milo und Spencer. Heute lehrt der Autor Creative Writing an der University of Southern California. T.C. Boyle lebt in Santa Barbara.

Boyles Kultbuch und moderner Afrika-Klassiker: Wassermusik

T. C. Boyle: Wassermusik

Wassermusik von T. C. Boyle

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T.C. Boyles großer Afrikaroman ist poetisch, wild und urkomisch. Der Roman erzählt von den zwei Westafrika-Expeditionen des schottischen Entdeckers Mungo Park, der sich um 1800 auf die Suche nach dem Niger machte, beide Male in Begleitung eines ehemaligen Sklaven und Butlers. Zugleich ist Wassermusik die Geschichte des Londoner Trunkenbolds und Trickbetrügers Ned Rise und von Parks Geliebter und späteren Frau Alie Anderson, die in Schottland auf die Rückkehr des Weltenbummlers wartet.

Buchrezension: Wassermusik

Boyles Wassermusik – ein literarisches Feuerwerk

Mungo Park hat ein großes Ziel: er will dem Lauf des Nigers folgen und seine Mündung finden, als erster Europäer überhaupt. Das ist Ende des 18. Jahrhunderts eine wahrhaft große Aufgabe, denn der Verlauf des Flusses wurde noch nie kartographiert, genauso wenig wie weite Teile Afrikas. Es ist der sprichwörtliche „Schwarze Kontinent“.

Mit mehr Glück als Verstand gesegnet, stolpert Mungo durch Westafrika, mehrfach nur von der Intelligenz seine Führers, des Ex-Sklaven Johnson, gerettet. Nach der ersten Expedition, die er ruhmreich mit der Entdeckung des Niger beendet, wird er bald darauf auf eine zweite Expedition geschickt und fordert erneut sein Glück heraus.

Im zweiten Handlungsstrang schildert T. C. Boyle das Leben von Ned Rise, einem Londoner Kleinkriminellen, der oft vor dem ganz großen Coup steht, aber in letzter Sekunde vom Pech verfolgt wird. Und da wäre auch noch Ailie, die Verlobte von Mungo Park, die ihr Leben mit Warten auf den großen Entdecker verbringt, bis ihr irgendwann der Kragen platzt.

Diese drei Handlungsstränge und besonders das zusammenführende Ende sind virtuos verwebt. Wie kaum einem anderen Autor gelingt es Boyle, auf über 700 Seiten keinen einzigen Spannungsabfall zuzulassen. Seine Schreibweise ist kurzweilig, teilweise stark übertrieben und drastisch. Irrwitzig komische Situationen wechseln sich mit lebensgefährlichen Erlebnissen in derartigem Tempo ab, das einem beim Lesen zuweilen das Lachen im Halse stecken bleibt. Die Schilderungen stützen sich zum Teil auf Parks Buch „Travels in the Interior of Africa“, sind aber phantasievoll und mit dem Blick fürs Menschliche und Allzumenschliche von Boyle mit Anekdoten und vielerlei Kleinigkeiten angereichert.

Wassermusik ist ein komplexes Meisterwerk, das nur schwer in eine Schublade zu stecken ist. Reisebericht, historischer Roman oder Biografie – in jedem Fall unbedingt lesenswert.

Veröffentlicht am 21. Juli 2014

AfrikaRoman bewertet Wassermusik mit:
  • Gesamtbewertung
5

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