Rezensionen Südafrika Bücher

Andrew Brown: Schlaf ein, mein Kind

Schlaf ein, mein Kind
Dagmar Iselt
Geschrieben von Dagmar Iselt

Ausgezeichnet mit dem Sunday Fiction Prize, dem renommiertesten Literaturpreis Südafrikas.

Andrew Brown: Schlaf ein, mein Kind

Schlaf ein, mein Kind

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Stellenbosch, Südafrika: Im Fluss treibt die Leiche einer jungen Weißen. Die Öffentlichkeit hat den Täter schnell ausgemacht: Ein illegaler Einwanderer aus Burundi soll die Tat begangen haben. Doch was hat es mit den geheimnisvollen, bedrohlichen Schlafliedern auf sich, die Melanie gesammelt hat? Wusste sie um die Gefahr, in der sie sich befand? Und weshalb fehlt eine Seite aus ihrem Notizbuch? Detective Eberard Februarie, eigentlich damit beschäftigt, seine persönlichen Angelegenheiten zu regeln, lässt der Fall keine Ruhe. Und gemeinsam mit der resoluten Polizeianwärterin Xoliswa stößt er auf ein Ereignis, das tief in die verwobene Geschichte Südafrikas zurückreicht – und das noch immer lange Schatten wirft …

Auf der KrimiWelt-Bestenliste im September und Oktober 2009.

Buchrezension zum Roman von Andrew Brown

Stellenbosch, eine ganz normale Kleinstadt in den südafrikanischen Winelands: im Fluß Eerste River wird die Leiche einer jungen, weißen Frau gefunden. Schnell steht fest: ein illegaler Einwanderer aus Burundi hat die Studentin Melanie ermordet. Ihr Vater, ein angesehener Universitätsprofessor, greift zur Selbstjustiz und tötet den verdächtigen Burundier. Damit sind die Ermittlungen eigentlich abgeschlossen, aber dem abgehalfterte Detective Februarie lässt der eigentlich beendete Fall keine Ruhe, besonders, nachdem er die Sammlung bedrohlich-düsterer Schlaflieder findet, die Melanie angelegt hat. Er und seine junge Kollegin Xoliswa ermitteln weiter.
Die gleiche Stadt, fast 300 Jahre früher: der Gouverneur der Kapkolonie und Namensgeber Stellenboschs; Simon van der Stel, beginnt mit den Weinanbau am Kap. Der despotische Winzer tut alles, um damit zum Erfolg zu kommen: sein Statthalter van der Kessel demütigt und tyrannisiert die Sklaven auf die schlimmste Weise. Bis die Sklavin Sanna unerwartet Widerstand leistet…

In Andrew Browns Roman finden sich die oft strapazierten Elemente vieler Krimis: der heruntergekommene, gleichgültige Bulle, die ehrgeizige junge Polizistin, der halbseidene Besitzer eines Nachtclubs… diese klischeebeladenen Figuren dominieren etliche Romane des Genres. Brown allerdings schafft es, sich durch die beiden Handlungsstränge und besonders die erst zum Schluss deutlich werdende Bedeutung der Schlaflieder, vom „Einheitsbrei“ abzuheben. Anfangs etwas zäh und überfrachtet daherkommend, gewinnt das Buch nach den ersten einhundert Seiten deutlich an Spannkraft: der Text wird flüssiger, die anfangs nicht erkennbare Relevanz der Schlaflieder allmählich ersichtlich. Auch die Charaktere der Protagonisten gewinnen an Tiefe. Nur der Zusammenhang beider Handlungsstränge wird erst zum Schluss deutlich – auch dies eine Besonderheit in der Welt der Kriminalliteratur.
Der Autor zeigt: der Rassismus in Südafrika hat sein Gesicht in der Gegenwart vielleicht geändert, er tritt nicht mehr so offen und selbstverständlich zutage wie im 17. Jahrhundert – doch er ist nach wie vor präsent. Die Charakterstudie des Detective ist genauso erstklassig gelungen wie die Porträts der beiden jungen Frauen: die Sklavin Sanna und die farbige Polizistin Xoliswa leben zwar zu verschiedenen Zeiten, aber sie haben eins gemeinsam: sie lassen sich nicht unterkriegen.
Schlaf ein, mein Kind ist ein tendenziell düsterer, detailreicher Krimi, in dem vieles nicht so ist, wie es anfangs scheint: lesenswert!

Veröffentlicht am 22. Oktober 2009

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AfrikaRoman bewertet "Schlaf ein, mein Kind" mit:
  • Gesamtbewertung
4

Über den Autor

Dagmar Iselt

Dagmar Iselt

Dagmar ist eines der Gründungsmitglieder des Literaturportals. Sie ist hauptberuflich Bibliothekarin und damit schon per se literaturbegeistert. Außerdem liebt sie es zu laufen, nebenberuflich Pilates zu unterrichten, zu kochen (und zu essen) und in der Welt umherzureisen. Dabei am liebsten im Gepäck: Bücher von Deon Meyer, Henning Mankell oder Chimamanda Ngozi Adichie.

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