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Barbara Kingsolver: Die Giftholzbibel

Barbara Kingsolver: Die Giftholzbibel

Die Giftholzbibel von Barbara Kingsolver

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Idealistisch, mutig und von grenzenlosem Gottvertrauen beseelt, verlässt Reverend Price mit seiner Frau und seinen vier jugendlichen Töchtern die amerikanische Heimat, um im Kongo zu missionieren. Doch als das Land seine Souveränität erklärt, erlebt die Familie die ganze Kraft Afrikas: Sie muss um ihr Überleben kämpfen, aber vor allem die Töchter lieben längst die Schönheiten und Verlockungen des geheimnisvollen Kontinents. Ein hinreißendes Afrika-Epos und eine großartige Familiensaga.

AfrikaRoman-Rezension zu: Die Giftholzbibel

Ende der fünfziger Jahre geht der amerikanische Reverend Price mit seiner Frau und den vier Töchtern in den kongolesischen Dschungel, um als Missionar zu arbeiten. Kurz darauf erklärt das Land seine Souveränität, ein Bürgerkrieg beginnt und Familie Price muss um ihr Leben fürchten. Trotzdem will der Reverend das Land nicht verlassen.

Die Giftholzbibel ist kein autobiografischer Roman, obwohl die Autorin in ihrer Kindheit ein Jahr im Kongo verbrachte. Dieser Lebensabschnitt muss prägend gewesen sein, denn dreißig Jahre später schreibt Barbara Kingsolver dieses großartige Buch.

Erzählt wird die Geschichte der Familie von den fünf Frauen bzw. Mädchen der Prices. Über allem thront der tyrannische, fundamentalistische Vater. Er will den Kongolesen den christlichen Glauben nahebringen, vergisst dabei aber völlig, sich auf die Denkweise der Eingeborenen einzustellen oder sie zu verstehen. Der Konflikt ist vorprogrammiert, der Zusammenprall der Kulturen heftig.

Die Töchter der Familie gehen auf unterschiedliche Weise mit den Umständen um, während die Mutter still leidet und nur selten mit ihrem Schicksal hadert.

Als der Bürgerkrieg ausbricht, steht Familie Price zwischen den Fronten, doch der verbohrte Reverend besteht darauf, im Kongo zu bleiben. Die Katastrophe ist unvermeidbar….

Die Giftholzbibel ist ein Roman, der aus vielerlei Gründen unter die Haut geht. Einesteils ist es der glaubhaft herausgearbeitete Konflikt innerhalb der Familie, der es unmöglich macht, das Buch aus der Hand zu legen. Aber auch der historische Hintergrund und die politischen Verwicklungen jener Zeit im Kongo wurden gut recherchiert und so erhält man beim Lesen gleichzeitig einen packenden Überblick über die Machtspiele der Nationen, die aus unterschiedlichen Gründen Interesse am Kongo haben, und die politischen „Strippenzieher“ im Hintergrund. Reizvoll und gelungen ist zudem die Erzählweise aus fünf unterschiedlichen Perspektiven.

Familiensaga, historischer Roman, Politthriller, Psychodrama – Die Giftholzbibel ist alles zugleich und unbedingt empfehlenswert.

Veröffentlicht am 20. Juni 2013

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AfrikaRoman bewertet "Die Giftholzbibel" mit:
  • Gesamtbewertung
5

Über den Autor

Dagmar Iselt

Dagmar Iselt

Dagmar ist eines der Gründungsmitglieder des Literaturportals. Sie ist hauptberuflich Bibliothekarin und damit schon per se literaturbegeistert. Außerdem liebt sie es zu laufen, nebenberuflich Pilates zu unterrichten, zu kochen (und zu essen) und in der Welt umherzureisen. Dabei am liebsten im Gepäck: Bücher von Deon Meyer, Henning Mankell oder Chimamanda Ngozi Adichie.

1 Kommentar

  • Ich bin Diplom-Psychologe und lebe und arbeite seit 5 Jahren als Entwicklungshelfer in Zentral Afrika, u.a. auch ein Jahr im Dschungel der DR Congo. Entgegen meinen Erwartungen hat mich das Buch völlig verblüfft und aus den Schuhen gehauen. Die vielschichtigen und präzisen Erlebnis-Beschreibungen ließen mich immer wieder innerlich mit dem Kopf nicken: „Genau so ist es!“. Es war, als hätte die Autorin in meine eigenen vielen interkulturellen Erfahrungen in Afrika hineinschauen können und sie mit besseren Worten präzisieren können, als ich selbst es konnte. Kulturschock, interkulturelle Probleme, „Helfer-Ethik“, Religiöser Fanatismus, Rückkehrer-Problematik, unterschiedliche Verarbeitungstypen von Traumata, das Buch kommt mir vor wie ein Fachbuch für neue junge Entwicklungshelfer… Nur VIEL besser zu lesen als ein Fachbuch. Selbst als alter Afrika-„Haudegen“ im Alter von 56 Jahren konnte ich es nicht wieder aus der Hand legen…
    Charlie Gehrke, Kampala, Uganda

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