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Ilona M. Hilliges: Die kleine Göttin

Ilona M. Hilliges: Die kleine Göttin

Die kleine Göttin: Ein Afrikaroman von Ilona Maria Hilliges

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Victoria Sommerfeld ist Mitte 50, geschieden und arbeitslos. Ihre einzige Aufgabe im Leben besteht darin, sich um ihre bettlägerige Mutter zu kümmern, denn ihre Tochter Jasmin ist erwachsen und lebt ihr eigenes Leben.
Als Victorias Mutter stirbt, steht sie vor den Scherben ihres Lebens. Das alte Haus ist baufällig und viel zu groß, ein Verkauf die einzige Möglichkeit.
Beim Entrümpeln des Dachbodens stoßen Victoria und ihre Tochter auf eine alte Holzkiste mit geheimnisvollem Inhalt: ein Fotoalbum mit alten Bildern, ein ebenso alter Rucksack und darin eine Tonfigur. Die Fotos wecken verschüttete Erinnerungen in Victoria: vielleicht hängt der Dachboden-Fund ja auch mit dem Traum zusammen, der sie fast ihr ganzes Leben lang verfolgt? Dass sie in Nigeria geboren wurde, war ihr bekannt, darüber hinaus weiß sie aber nur, dass sie als Zweijährige nach Deutschland gebracht und adoptiert wurde. Doch was geschah wirklich mit ihren Eltern? Victoria, eigentlich das Gegenteil einer Abenteurerin, fasst einen Entschluss, der ihr Leben von Grund auf ändern soll: gemeinsam mit ihrer Tochter fliegt sie nach Nigeria und begibt sich in ihrem Geburtsort Tiameh auf Spurensuche….

Eine Frau in der Midlife-Crisis auf Sinnsuche? Wie „aufregend”, werden jetzt viele (gerade jüngere Leser) denken. Zu Anfang ist „Die kleine Göttin” auch nicht mehr als das. Locker geschrieben, seicht dahinplätschernd – nichts Besonderes. Doch als Viktoria in ihrer Geburtsstadt Tiameh auf ihre Tante Theodora trifft, ändert sich der Tenor des Buches vollkommen und der Leser begibt sich ins Reich der afrikanischen Mystik. Das die Autorin die Materie kennt und die Schilderungen trotzdem nicht wissenschaftlich-trocken, sondern durchweg packend und lehrreich sind, ist die große Überraschung im Roman. Der beschriebene, sehr naturverbundene „Mütter-Kult” ist überaus interessant erzählt, ohne jemals zu langweilen. Die Handlung dagegen wirkt manchmal arg konstruiert, inklusive des „überraschenden” Endes, das der Leser bereits etliche Seiten vor der letzten zumindest erahnen kann. Auch mit der manchmal zu vorsichtigen, immer überängstlich agierenden Protagonistin Victoria wird man beim Lesen nicht wirklich warm – zu gewollt wirkte ihr ständig alles hinterfragender, schüchterner Charakter.
Die Kernaussage der „Kleinen Göttin” ist jedoch großartig: das man sein Leben leben und genießen soll, machen sich viele von uns wohl im Alltag zu selten bewusst.

Fazit: unterhaltsam geschrieben und mit einem faszinierenden Ausflug in die afrikanische Mystik ist „Die kleine Göttin” fast durchweg gut zu lesende Lektüre. Kleine inhaltliche Schwächen sind zu verzeihen, denn die sehr authentischen Schilderungen der nigerianischen Landschaft und der Rituale der „Mütter” trösten darüber hinweg.

Veröffentlicht am 26. März 2012

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AfrikaRoman bewertet "Die kleine Göttin" mit:
  • Gesamtbewertung
3

Über den Autor

Dagmar Iselt

Dagmar Iselt

Dagmar ist eines der Gründungsmitglieder des Literaturportals. Sie ist hauptberuflich Bibliothekarin und damit schon per se literaturbegeistert. Außerdem liebt sie es zu laufen, nebenberuflich Pilates zu unterrichten, zu kochen (und zu essen) und in der Welt umherzureisen. Dabei am liebsten im Gepäck: Bücher von Deon Meyer, Henning Mankell oder Chimamanda Ngozi Adichie.

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