Mittwoch, 26. Juli 2017


Die Hälfte der Sonne, C. N. Adichie - Rezension





Kommentar zum Buch von Chimamanda Ngozi Adichie
Die Hälfte der Sonne
«Die Hälfte der Sonne»

Verlag: Luchterhand Literaturverlag
ISBN: 3-630-87247-6
Seiten: 640
Einband: gebunden mit Schutzumschlag
Erschien: Februar 2007

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Buchrezension von Dagmar Sachse
Veröffentlicht am 26. April 2007


Eine teilweise Sonnenfinsternis? Ein astronomisches Hauptthema?
Nein. Das Bild einer Sonnenhälfte befand sich in der Mitte der Flagge des westafrikanischen Staates Biafra, der nach einem drei Jahre dauernden Bürgerkrieg aufhörte zu existieren. Vorausgegangen war ein nicht gelungener Putschversuch, bei dem der nigerianische Premierminister getötet wurde und in dessen Anschluß es zu Ausschreitungen gegen die christlichen Igbo in Nigeria kam. Diese erklärten daraufhin im Jahr 1967 den Osten Nigerias für unabhängig und nannten ihn Biafra, nach der gleichnamigen Bucht im Golf von Guinea.
Der darauf folgende Krieg zwischen Nigeria und dem abtrünnigen Osten kostete etwa 2 Millionen Menschen das Leben. Besonders die Bilder von der kriegsbedingten Hungersnot gingen um die Welt. Am 15. Januar 1970 kapitulierten die Igbo, der christliche Norden wurde wieder dem Staat Nigeria angegliedert.

Nur wer sich in afrikanischer Geschichte gut auskennt, kann dem Titel von Chimamanda Ngozi Adichies Roman auf Anhieb ein Thema zuordnen. Während im Debütroman der Autorin Themen wie Politik, Religion und Gewalt aus der Sicht eines Teenagers geschildert werden, ist der Ton in ihrem zweiten Roman deutlich härter. Den Unabhängigkeitskrieg Biafras als Rahmenhandlung wählend, erzählt sie die Geschichte von Ugwu, dem Hausboy eines linksgerichteten Intellektuellen, dessen Frau, ihrer Zwillingsschwester und deren Freund, einem englischen Schriftsteller. Liebeswirren, Streit und Versöhnung, Diskussionen um Politik und Literatur ganz normale Alltagsgeschichten werden erzählt, in deren Hintergrund man aber schon die sich anbahnende Katastrophe ahnt. Trotzdem bricht der Krieg für fast alle Beteiligten gleichermaßen unerwartet aus, wird das Leben mit seinen alltäglichen Geschichten jäh verändert.

Auch wenn diese Stories manchmal etwas zu überfrachtet mit Dramatik daherkommen: in ihrem neuen Roman ist es Chimamanda Ngozi Adichie großartig gelungen, die Handlung mit historischen Fakten zu verbinden, von fiktiven Schicksalen zu berichten und diese mit realen Grausamkeiten zu verweben so großartig, dass man beim Lesen seine Umgebung völlig vergisst. Dabei erhebt die Autorin nicht den Anspruch, ein tiefgründiges Werk über den Biafra-Krieg veröffentlicht zu haben. Das haben andere vor ihr getan und diese Autoren werden in der Bibliographie im Anhang genannt. In „Die Hälfte der Sonne” ist der Konflikt der Zwillingsschwestern zentrales Thema und die Grausamkeit des Krieges an sich, die Bauern wie Intellektuelle gleichermaßen hart trifft.

Nicht umsonst wird die erst 30jährige Autorin mit Preisen für ihr literarisches Schaffen geradezu überhäuft. Wie schon in ihrem Erstling stellt C.N. Adichie auch mit „Die Hälfte der Sonne” ihr schriftstellerisches Können eindrucksvoll unter Beweis. Niemals klischeehaft oder in Schwarzweißmalerei verfallend, voller Leben, inspirierend - überwältigend: Der Begriff „begnadete Erzählerin” personifiziert sich in der jungen nigerianischen Autorin.

Bewertung: 5 afrikanische Kontinente

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