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Heimsuchungen: Zwölf Erzählungen

Heimsuchungen

Heimsuchungen von Chimamanda Ngozi Adichie

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Nigeria – Nordamerika: Zwischen den Kontinenten balanciert das Leben auf Messers Schneide. Nigeria schwebt zwischen Tradition und Moderne, wird bedroht von Gewalt und Korruption. In Amerika hingegen hält das Leben nicht, was es verspricht.
Chimamanda Adichie spürt die verborgenen Vibrationen auf beiden Seiten des Atlantiks: Liebe und Sehnsucht werden auf die Probe gestellt, Familien vom Strudel mitgerissen. Die sinnlichen und intensiven Erzählungen der außergewöhnlichsten Stimme Afrikas definieren die Weltliteratur unserer Gegenwart neu.

Die Originalausgabe erschien unter dem Titel The thing around your neck; aus d. Englischen von Reinhild Böhnke.

Rezension zum Buch: Heimsuchungen

Kurzgeschichten? Für einen passionierten Romanleser, der sich in eine gute Story langsam einlesen, sie genießen und auskosten möchte, nicht gerade die ideale Form der Unterhaltung – meint man. Doch es gibt Autoren, die es schaffen, mit Short Stories genau das beim Leser auszulösen.

Chimamanda Adichie ist eine neue Autorin, die mit der Gabe der alten Geschichtenerzähler gesegnet ist.

Dieses Zitat von Chinua Achebe, dem großen alten Mann der nigerianischen Literatur, legt die Messlatte für die erst 35jährige Schriftstellerin fast unerreichbar hoch.
Die 12 Erzählungen in Heimsuchungen sind aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln erzählt, Dreh- und Angelpunkt ist aber immer das Zusammenprallen zweier Kulturen, die unterschiedlicher kaum sein können: die USA, reich, arrogant und selbstsicher, trifft auf das arme, von religiösen Konflikten geplagte Nigeria. Adichie zeigt beide Sichtweisen: zum Einen schildert sie, wie Einwanderer aus Nigeria die USA erleben, die andere Seite zeigt, was aus einer Republik werden kann, dessen klügste und begabteste Köpfe in wohlhabende Länder abwandern.
Ob eine Arbeitserlaubnis für die USA oder ein Stipendium für eine Universität in Europa oder Amerika – viele Nigerianer meinen, das große Los gezogen zu haben, wenn das Visum genehmigt und alle weiteren Hürden auf dem Weg ins Ausland beseitigt sind. Adichie schreibt schnörkellos und gleichzeitig bewegend über Träume, die in der Wirklichkeit zerplatzen wie Seifenblasen. Über Einwanderer, aber auch über Daheimgebliebene, Nach-Hause-Kommende, Alte, Kinder – und am häufigsten über Frauen und ihren Umgang mit den mannigfaltigen Heimsuchungen der modernen Welt mit ihren tiefen sozialen und kulturellen Gegensätzen.

Veröffentlicht am 20. September 2012

AfrikaRoman bewertet "Heimsuchungen: Zwölf Erzählungen" mit:
  • Gesamtbewertung
4

1 Kommentar

  • Wieder ein feines Buch einer schon heute großen Autorin nigerianischer Herkunft. Wir dürfen wohl gespannt sein, was wir in den nächsten Jahren noch alles von einer so jungen Autorin zu lesen bekommen. Es ist ja erst das dritte Buch von C.N. Adichie in deutscher Übersetzung.

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