Kenia Bücher Rezensionen

Barbara Wood: Rote Sonne, schwarzes Land

Rote Sonne, schwarzes Land
Dagmar Iselt
Geschrieben von Dagmar Iselt

Man merkt: hier war ein Routinier am Werk. Geschickt führt Barbara Wood den Leser von der Vergangenheit in die Gegenwart.

Erzählt wird die Geschichte der weißen Siedlerfamilie Treverton, die am Anfang des 20. Jahrhunderts vom kalten, regnerischen England in die unberührte Wildnis Kenyas auswandert. Sofort drücken sie dem Land rücksichtslos ihren Stempel auf: Wald wird gerodet, um Kaffeepflanzen anzubauen, und unverzüglich werden Missionare aus der Heimat geschickt, die den Ureinwohnern den „rechten“ Glauben bringen sollen. Teils fügen sich die Afrikaner ohne Widerstand, denn die Segnungen der Zivilisation sind natürlich reizvoll: Kochtöpfe, Baumwollstoffe, aber auch kostenlose Schulbildung und ärztliche Versorgung. Andere protestieren gegen die europäischen Einflüsse. Mittelpunkt des Widerstands ist die alte Medizinfrau Wachera, die ihr Wissen an ihre Enkelin weitergibt und dieser bei ihrem Tod den Schwur abnimmt, an den alten Bräuchen festzuhalten und den Kampf gegen die Weißen fortzuführen.

Ich habe beim Lesen einen Konflikt mit mir selbst ausgetragen: einerseits war ich entsetzt von den zum Teil barbarischen Bräuchen der Afrikaner, zum Beispiel der rituellen Beschneidung von Mädchen und der totalen Unterwerfung, ja, Inbesitznahme der Ehefrau durch den Mann bei der Heirat. Andererseits sind die rücksichtslosen Methoden der weißen Einwanderer, die sich sofort wie selbstverständlich als die Herren des Landes aufführen, auch nicht Sympathie erweckend. Aber hier wie da gibt es Protagonisten, die Mitgefühl, Abscheu, Verständnis oder Wut beim Leser auslösen – und einen an das Buch fesseln. So erwartet man das auch von einer Bestsellerautorin wie Barbara Wood. Und trotzdem: etwas fehlt in meinen Augen. Ich vermisse etwas von dem „Herzblut“, mit dem beispielsweise Stefanie Zweig ihren Afrikaromanen Leben einhaucht. Oder das persönliche Engagement, das hinter Henning Mankells Büchern über den schwarzen Kontinent und dessen Bewohnern steht.

Rote Sonne, schwarzes Land hat alles, was ein Bestseller braucht: eine abwechslungsreiche Handlung, einen historisch korrekten Hintergrund und jede Menge Herzschmerz sowie tragische zwischenmenschliche Beziehungen. Trotzdem wirkt der Roman merkwürdig farblos und konstruiert. Man spürt, das Afrika für Barbara Wood nur ein Schauplatz wie jeder andere ist. Mein Fazit: Unterhaltsame Lektüre – aber mehr auch nicht.

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AfrikaRoman bewertet "Rote Sonne, schwarzes Land" mit:
  • Gesamtbewertung
3

Über den Autor

Dagmar Iselt

Dagmar Iselt

Dagmar ist eines der Gründungsmitglieder des Literaturportals. Sie ist hauptberuflich Bibliothekarin und damit schon per se literaturbegeistert. Außerdem liebt sie es zu laufen, nebenberuflich Pilates zu unterrichten, zu kochen (und zu essen) und in der Welt umherzureisen. Dabei am liebsten im Gepäck: Bücher von Deon Meyer, Henning Mankell oder Chimamanda Ngozi Adichie.

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