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Malla Nunn: Lass die Toten ruhen

Malla Nunn: Lass die Toten ruhen
Dagmar Iselt
Geschrieben von Dagmar Iselt
 Lass die Toten ruhen

Malla Nunn: Lass die Toten ruhen

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Emmanuel Cooper, der Protagonist aus Malla Nunns Debüt „Ein schöner Ort zu sterben”, ist seinen Polizeiausweis aufgrund seines letzten Falles los. Statt Polizeiarbeit leistet er nun Knochenarbeit in den Docks von Durban.
In den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ist die Stadt am Indischen Ozean, wie der Rest Südafrikas, eine Stadt mit klarer Rassentrennung. Als Cooper einen weißen Jungen mit durchschnittener Kehle in den Docks findet und kurz darauf seine Vermieterin grausam ermordet wird, wird er von der Security Branch, dem berüchtigten Geheimdienst, verhaftet. Doch Major van Niekerk, sein früherer Boss bei der Polizei, und ein unbekannter Gönner verschaffen ihm 48 Stunden Zeit, in denen er die wahren Schuldigen der Taten finden und sich entlasten soll… .

Nein, neu ist der Handlungsaufbau von „Lass die Toten ruhen” tatsächlich nicht. Man hat das so oder ähnlich schon öfter gelesen, die handelnden Personen findet man in vielen Krimis: da ist der hartgesottene, aber nicht kleinzukriegende Held der Story, meist mit angeknackster Psyche, schwieriger Vergangenheit und wenigen Freunden. Der Underdog, den man automatisch sympathisch findet. Außerdem noch jede Menge Kleinkriminelle plus Verbrecherkönig in protziger Limousine, die geheimnisvolle Schöne sowie mehrere korrupte Polizisten.
So weit, so gewöhnlich. Doch Malla Nunn schafft es, ihren Zweitwerk Originalität zu verleihen, in dem sie mit einer Urangst des Menschen spielt: was passiert, wenn uns von einem Tag auf den anderen die Existenz genommen wird? Genau das passiert Emmanuel Cooper. In seinem Fall ist es der „Rassenachweis“, im Südafrika der Apartheid ein Dokument, das das ganze Leben bestimmt: wo du lebst, wo du arbeitest, einkaufst, in welches Kino du gehst und an welchen Strand – ja, sogar welche Nutten du besuchen darfst – alles geregelt von einem kleinen Stück Papier. Als Emmanuel Cooper seinen Status als Weißer verliert und als so genannter „Gemischtrassiger“ eingestuft wird, verliert er nicht nur seine Wohnung… .

Lass die Toten ruhen ist ein originelles Zweitwerk, spannend und mit viel Tempo. Es empfiehlt sich zum besseren Verständnis allerdings, vorher Malla Nunns Erstling Ein schöner Ort zu sterben zu lesen.

Veröffentlicht am 15. August 2011


Autor: Malla Nunn
Gebundene Ausgabe, 383 Seiten
Verlag: Rütten & Loening, April 2011


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AfrikaRoman bewertet "Lass die Toten ruhen" mit:
  • Gesamtbewertung
3

Über den Autor

Dagmar Iselt

Dagmar Iselt

Dagmar ist eines der Gründungsmitglieder des Literaturportals. Sie ist hauptberuflich Bibliothekarin und damit schon per se literaturbegeistert. Außerdem liebt sie es zu laufen, nebenberuflich Pilates zu unterrichten, zu kochen (und zu essen) und in der Welt umherzureisen. Dabei am liebsten im Gepäck: Bücher von Deon Meyer, Henning Mankell oder Chimamanda Ngozi Adichie.

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