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Gillian Slovo: Roter Staub

Roter Staub
Sven Rosenow
Geschrieben von Sven Rosenow

Gillian Slovo erzählt von den Nachwehen der Apartheid. Eine junge Anwältin aus New York kehrt zurück an den Ort ihrer Kindheit. Vor der Wahrheitskommission soll sie die Anhörung zweier Männer beurteilen: die des weißen Polizisten Dirk Hendriks, der Amnesie beantragt hat, und die von Alex Mpondo, seinem Opfer, das von Hendrix gefoltert wurde. Gillian Slovo hat einen aufwühlenden Roman geschrieben, der so spannend wie berührend, so engagiert wie herausragend erzählt ist.

Buchrezension zu Roter Staub

In einem Zitat über die vielfältige Thematisierung Südafrikas von Schriftstellern bezeichnet Gillian Slovo das Land als ein:

… meschuggenes, unheimliches, groteskes und schmerzliches Land; es ist tatsächlich Wilder Westen.

Sie selbst greift in ihrem Gerichtsdrama Roter Staub das Thema der Wahrheits- und Versöhnungskommission auf, die mit der Aufarbeitung der politisch motivierten Verbrechen während der Zeit der Apartheid beschäftigt ist.

Roter Staub

Roter Staub von Gillian Slovo

Nach dem Ende der Apartheid zieht die Wahrheitskommission durch das Land. Den Fall Dirk Hendricks betreffend, macht die Kommission auch in der Provinzortschaft Smitsriver halt. Hier, in einer heissen Einöde findet es statt; eines der Anhörungsverfahren, das Täter und ihre Opfer, die Folterer und die Hinterbliebenen der Ermordeten aufeinander treffen lässt.

Doch wer sind Täter – und wer die Opfer? Dieser Frage geht Sarah Barcant – eine erfolgreiche New Yorker Anwältin -nach, die von ihrem Mentor und väterlichen Freund Ben Hoffman in ihr Heimatland zurückgerufen wird. Auf der Suche nach der Antwort entdeckt Sarah die fatale Abhängigkeit zwischen Tätern und Opfern und begegnet zugleich deren Wandlungsfähigkeit. Dabei wird klar, dass die rassischen Spannungen noch immer Bestand haben.

Neben dem Anhörungsverfahren werden in diesem Buch aber auch oder gerade die zwischenmenschlichen Beziehungen der handelnden Personen beschrieben. So handhabt die Autorin es bemerkenswert gut, ihre Charaktere, trotz des extremen psychologischen Drucks, ausgeglichen zu halten und erlaubt keine übermäßige Sentimentalität und Nostalgie. Dabei ist der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart großartig und die Geschichte bietet genügend Dynamik, um das Interesse des Lesers bis zum Ende wach zu erhalten.

Fazit: Auch wenn Smitsriver und seine Bewohner frei erfunden sind: den „Dialog“ zwischen Tätern und Opfern gab es wirklich. Dieses Buch ist ein großes Stück Vergangenheitsbewältigung, in dem die Wahrnehmung der Erlebnisse des jeweils Anderen sehr menschlich beschrieben werden.

Veröffentlicht am 15. Dezember 2005

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Autor: Gillian Slovo
ISBN-13: 978-3596156689
Taschenbuch Ausgabe, 333 Seiten
Erschien: Juli 2003, Fischer (Tb.)

(Die Originalausgabe erschien 2000 unter dem Titel „Red Dust“ bei Virago Press, London; aus dem Englischen von Uda Strätling.)


AfrikaRoman bewertet "Roter Staub" mit:
  • Gesamtbewertung
5

Über den Autor

Sven Rosenow

Sven Rosenow

Sven ist Gründer und Initiator von AfrikaRoman.de, dem Literaturportal über afrikanische Romanliteratur in Deutschland. Wenn es die Zeit erlaubt, schreibt er auch gerne mal Rezensionen für das Literaturportal. Sein Lieblingsautor ist Andrew Brown.

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