Rezensionen Südafrika Bücher

Tracy Gilpin: Stunde der Buße

Ein Südafrika-Thriller aus der gefährlichsten Stadt der Welt

Tracy Gilpin: Stunde der Buße

Stunde der Buße von Tracy Gilpin

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Campaignerin Dunai Marks spürt eine eisige Kälte ihren Nacken entlangfahren, als sie morgens die Tür zu dem Büro, in dem sie arbeitet, unverschlossen vorfindet. In Kapstadt sind keine Türen unverschlossen – schon gar nicht die der NGO-Organisation STOP, die sich mit ihrem Kampf für Geburtenkontrolle nicht nur in der Kirche zahllose erbitterte Feinde gemacht hat. Als die junge Frau ihre Mentorin ermordet auf dem Boden vorfindet, schwört sie, die Täter zu finden und Rache zu nehmen.

AfrikaRoman-Rezension zu: Stunde der Buße

Kapstadt in der Gegenwart. Die junge Dunai Marks arbeitet für eine Organisation namens STOP, die sich für Geburtenkontrolle einsetzt. Eines Tages findet sie ihre über alles geliebte Chefin ermordet in deren Büro. Sie schwört, die Täter zu finden. Damit ruft sie mächtige Feinde auf den Plan, findet aber auch Hilfe, wo sie es am wenigsten erwartet. Und die Wahrheit ist irgendwo da draußen…

Eine ermordete Feministin, jede Menge Verdächtige, eine coole Heldin, die mutig auf eigene Faust ermittelt, das alles vor der tollen Kulisse Kapstadts spielend – dieser Mix ergibt, so meint man, die Zutaten für einen soliden Thriller.
Doch weit gefehlt.
Bereits auf den ersten Seiten beschleicht einen das Gefühl, einen besonders dick geratenen Groschenroman zu lesen. Reißerische Sprache, übertriebene Formulierungen und gnadenlose Schwarzweißmalerei: gute Krimikost liest sich anders. Die Protagonistin ist taff „auf Teufel komm raus”, auch wenn es völlig unangemessen ist. Die Handlung ist überfrachtet mit viel zu vielen Details: nicht nur, das Dunai Marks auf gerade 430 Seiten den Mörder ihrer Mentorin entlarvt und sich (natürlich!) in einen Mann verliebt, den sie anfangs total abstoßend findet. Nein, außerdem lüftet sie auch das Geheimnis ihrer Herkunft, kümmert sich um ihren Sohn und ihre Tiere, macht eine Erbschaft und entdeckt die Machenschaften einer radikalen geheimen Feministinnenorganisation – das ist eindeutig zu viel für einen Roman.
Die Handlung wirkt konstruiert und zum Teil an den Haaren herbeigezogen. Durch die Überfülle an Details bleibt alles oberflächlich, weder auf die Arbeit der Organisation STOP noch auf die unsichtbar im Hintergrund wirkende Feministinnengruppe „Sisterhood of the Double Cross” wird tiefergehend eingegangen.
Im letzten Buchdrittel liest es sich etwas leichter, die Dialoge klingen nicht mehr ganz so hölzern, die Handlung wird etwas flüssiger. Auch die Lösung des Falles ist halbwegs originell und überraschend. Leider rettet das den Gesamteindruck kaum und auch der regelmäßig eingestreute Kapstädter Lokalkolorit hilft wenig.
Fazit: der in der Einführung angeführte Vergleich mit Deon Meyer ist wie das Nebeneinanderstellen von Hedwig Courths-Mahler und Thomas Mann – Stunde der Buße ist ein Buch zum Weglegen.

Veröffentlicht am 4. Februar 2009

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AfrikaRoman bewertet "Stunde der Buße" mit:
  • Gesamtbewertung
1

Über den Autor

Dagmar Iselt

Dagmar Iselt

Dagmar ist eines der Gründungsmitglieder des Literaturportals. Sie ist hauptberuflich Bibliothekarin und damit schon per se literaturbegeistert. Außerdem liebt sie es zu laufen, nebenberuflich Pilates zu unterrichten, zu kochen (und zu essen) und in der Welt umherzureisen. Dabei am liebsten im Gepäck: Bücher von Deon Meyer, Henning Mankell oder Chimamanda Ngozi Adichie.

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