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Deon Meyer: Der traurige Polizist

Der traurige Polizist
Dagmar Iselt
Geschrieben von Dagmar Iselt
Deon Meyer: Der traurige Polizist

Deon Meyer: Der traurige Polizist

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Aufruhr in Kapstadt

Seit dem Tod seiner Frau Lara ist Polizist Mat Joubert auf dem Weg nach unten. Er hat Übergewicht, er raucht zuviel, und neuerdings beschweren sich sogar die Kollegen über ihn. Als aus England ein neuer Chef nach Kapstadt kommt, erhält Joubert eine ernste Warnung: Entweder geht er zu einem Psychologen und lässt sich betreuen, oder er muss den Dienst quittieren. Während er noch zögert, was er tun soll, beginnt ein Serienmörder mit einer alten deutschen Pistole sein Unwesen zu treiben – und plötzlich steckt Joubert in seinem schwierigsten Fall. Für die Morde an mehreren weißen Männern gibt es scheinbar kein Motiv.

Buchrezension zum Thriller: Der traurige Polizist

Südafrikas bester Thrillerautor

verkündet der rote Aufkleber auf dem Buchdeckel.
Ich bin großer Thrillerfan und gespannt auf diesen Autor, denn es ist der erste Roman, den ich von ihm lese.

Die Handlung in Der traurige Polizist dreht sich um eine Mordserie am Kap, die dem ermittelnden Polizisten Rätsel aufgibt. Mit einer museumsreifen Waffe, einer deutschen Mauserpistole aus dem 19. Jahrhundert, werden Menschen erschossen, die anscheinend in keinerlei Beziehung zueinander stehen.

Protagonist ist Captain „Mat“ Joubert, Angehöriger der Polizei von Kapstadt und ein gebrochener Mann, seit er vor ein paar Jahren seine Frau bei einem Polizeieinsatz verloren hat. Übergewichtig und ungesund lebend, gleichgültig gegenüber seiner Umwelt und mit Suizidgedanken kämpfend, hat sich das Leben Mat Jouberts zur bloßen Existenz reduziert.
Seinem neuen Chef, einem aufstrebenden und von Ehrgeiz zerfressenen Beamten, ist dieser „traurige Polizist“ ein Dorn im Auge. Als dann noch die Ermittlungen im Mauser-Fall in einer Sackgasse stecken, stellt der Abteilungsleiter Joubert ein Ultimatum: entweder er begibt sich in psychologische Behandlung und zur Ernährungsberatung oder er verliert seinen Job.
Anfangs äußerst widerwillig folgt der Captain den Anordnungen seines Chefs, aber je öfter er seine Diätmahlzeiten zubereitet und im Schwimmbad seine Bahnen zieht, desto mehr wächst sein Lebensmut und um so mehr kehrt sein Arbeitselan, seine „Spürnase“ wieder. Nicht unbeträchtlichen Anteil an dieser Wesensveränderung hat die Psychologin Dr. Nortier, der sich Captain Joubert in einer Gesprächstherapie anvertraut.
Und natürlich ist zum Schluß doch vieles nicht, wie es scheint… .

Die Schilderung der Persönlichkeit Mat Jouberts, seiner inneren Zerrissenheit und seiner seelischen Wunden ist dem Autor meisterhaft gelungen. Sein Charakter, die Aufarbeitung seiner psychischen Probleme und die allmähliche Aufdeckung ihrer Ursachen sind packend geschrieben und ließen mich teilweise auch nach dem Zuklappen des Buches nicht los.
Die eigentliche Thrillerhandlung wirkt dagegen farblos, langweilig und konstruiert, bis zu ihrem (immerhin überraschenden) Finale.
Auch der kleine Ausflug ins erotische Genre (Mat Joubert bekommt am Anfang des Romans Avancen von der 18jährigen Tochter seines Nachbarn) wirkt fehl am Platz, hölzern und etwas peinlich.

Mein Fazit nach der Lektüre: Deon Meyer hat mit diesem Buch keinen meisterhaften Thriller abgeliefert, aber dafür eine preisverdächtige Charakterstudie. In einem anderen Rahmen wäre der Protagonist sicher noch anrührender und glaubwürdiger erschienen, so macht einzig und allein die Figur des Mat Joubert den Roman lesenswert.

Veröffentlicht am 6. November 2005

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AfrikaRoman bewertet "Der traurige Polizist" mit:
  • Gesamtbewertung
4

Über den Autor

Dagmar Iselt

Dagmar Iselt

Dagmar ist eines der Gründungsmitglieder des Literaturportals. Sie ist hauptberuflich Bibliothekarin und damit schon per se literaturbegeistert. Außerdem liebt sie es zu laufen, nebenberuflich Pilates zu unterrichten, zu kochen (und zu essen) und in der Welt umherzureisen. Dabei am liebsten im Gepäck: Bücher von Deon Meyer, Henning Mankell oder Chimamanda Ngozi Adichie.

1 Kommentar

  • Ich bin von den Büchern Deon Meyers hin und weg. Ich hoffe sehr, daß bald wieder neue Titel zu kaufen sind. Ganz bestimmt werde ich bei den 1. sein, die bestellen. Schade, daß so wenige Titel in deutscher Sprache am Markt sind. Englische Titel sind zu mühsam. Diese Geduld habe ich nicht mehr. Ich wundere mich sehr, daß von diesem hervorragenden Schriftsteller nicht mehr angeboten wird. Ich lese viel, habe einen kleinen Überblick und deshalb die Verwunderung. Also, ich warte auf die nächste Veröffentlichung.

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